Das EÜR-Formular - Version für 2009: Eine Anleitung für die "Gewinnermittlung" von Steuer-Nachzüglern

Schuldzinsen und Anlageverzeichnis

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Schuldzinsen und Anlageverzeichnis

Schuldzinsermittlung

Während die meisten anderen Teile des EÜR-Vordrucks recht gut verständlich sind, stellt die "Ermittlung der nicht abziehbaren Schuldzinsen" ein etwas schwierigeres Kapitel dar.

Hintergrund: Geschickte Steuerpflichtige haben in der Vergangenheit private Schuldzinsen durch "Überentnahmen" vom Geschäftskonto zu Betriebsausgaben gemacht, d. h. die Zinsen für private Investitionen oder sogar Konsumausgaben "von der Steuer abgesetzt". Um das zu verhindern, akzeptiert der Fiskus nur noch Schuldzinsen für solche Darlehen in voller Höhe, die nachweislich zur Finanzierung von Betriebsvermögen aufgenommen worden sind. Davon abgesehen sind Schuldzinsen nur bis zu einem Betrag von 2.050 Euro unbeschränkt abzugsfähig.

Überentnahmen liegen aus Sicht der Finanzbehörden dann vor, wenn die Privatentnahmen vom Geschäftskonto im laufenden Jahr höher waren als die Summe aus Privateinlagen und dem erzielten Gewinn. (Genau genommen dem vorläufigen Gewinn, da sich der tatsächliche Gewinn laut EÜR ja erst nach Ermittlung der tatsächlich abziehbaren Schuldzinsen ergibt.)

Auf die so ermittelten Überentnahmen wird ein fiktiver Zinssatz von 6 Prozent angewendet. Der resultierende Zinsbetrag muss von der Summe der Schuldzinsen abgezogen werden, sofern der Freibetrag von 2.050 Euro überschritten ist.

Zins-Ermittlung und Optimierung

Die BMF-Rechenhilfe zur Ermittlung der (nicht) abziehbaren Schuldzinsen

Noch etwas komplizierter wird die Sache dadurch, dass Steuerpflichtige umgekehrt zu ihren Gunsten "Unterentnahmen" sowie Verluste aus Vorjahren anrechnen dürfen.

Wer das in sich stimmige Prinzip der in Paragraf 4 Abs. 4a EStG geregelten Schuldzinsermittlung erst einmal verstanden hat, wird sich mit dem Ausfüllen der vom Finanzministerium bereitgestellten PDF-Rechenhilfe normalerweise nicht schwer tun. Bei der steuerlichen Optimierung hoher privater und/oder geschäftlicher Schuldzinsen ist die Unterstützung eines Steuerberaters aber dringend zu empfehlen!

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Das neue Anlageverzeichnis

Zusätzlich zum Gewinnermittlungs-Vordruck stellt der Fiskus inzwischen auch ein Muster für das obligatorische Verzeichnis der Anlagegüter zur Verfügung. Darin müssen die Angaben der Zeilen 24 bis 34 des EÜR-Formulars nachvollziehbar gemacht werden:

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Das Finanzamtsmuster des Anlageverzeichnisses für 2009

Die gute Nachricht: Anders als in der Vergangenheit muss die beim Finanzamt eingereichte Aufstellung nicht mehr die Angaben zu jedem einzelnen Vermögensbestandteils enthalten! Das klassische Anlagenverzeichnis bestehend aus ...

  • Bezeichnung des Wirtschaftsguts,

  • Nutzungsdauer,

  • Anschaffungszeitpunkt,

  • Anschaffungskosten,

  • Buchwert zu Jahresanfang (Übertrag aus dem Vorjahr),

  • Sonderabschreibungen,

  • "normale" Jahres-AfA sowie

  • verbleibender Buchwert am Jahresende

... verbleibt bis zu einer eventuellen Betriebsprüfung oder auf Anforderung Ihres Sachbearbeiters in Ihrem Betrieb. Als Anlage zur EÜR begnügt sich der Fiskus mit summarischen Angaben zu den wichtigsten Vermögenskategorien.

Zurück zum aktuellen amtlichen Formular: Es unterscheidet nur noch zwischen folgenden Vermögenspositionen:

  • Grundstücke und grundstücksgleiche Rechte (z. B. betriebliche Gebäude),

  • häusliche Arbeitszimmer im privaten Wohneigentum (d. h. Abschreibungen auf dessen anteiligen Anschaffungskosten),

  • immaterielle Wirtschaftsgüter (z. B. Firmen-, Geschäfts- oder Praxiswert, Patente und Lizenzen),

  • bewegliche Wirtschaftsgüter (z. B. Fahrzeuge, Maschinen oder Anlagen im Wert über 1.000 Euro, bis 2007: über 410 Euro)

  • Sammelposten (damit sind die "geringwertigen Wirtschaftsgüter", GWG, im Wert zwischen 150 Euro und 1.000 Euro gemeint, die in den Jahren 2008 und 2009 jahresweise zusammengefasst werden müssen),

  • Finanzanlagen (Beteiligung an anderen Unternehmen) sowie

  • Umlaufvermögen (z. B. Wertpapiere, nicht aber Lagerbestände oder Vorräte).

Das EÜR-Formular und die Folgen

Als "Maßnahme zum Bürokratieabbau", wie von der Bundesregierung ursprünglich behauptet, lässt sich die Standardisierung der Einnahmenüberschussrechnung bestenfalls aus Sicht der Finanzbehörden betrachten: Die grundlegende Prüfung der Jahresabschlüsse von Kleinunternehmern und Freiberuflern wird durch den Vordruck zweifellos erheblich beschleunigt. Abweichungen von branchentypischen Kennziffern sind künftig leichter ermittelbar und werden wohl vermehrte Nachfragen im Einzelfall sowie zielgerichtetere Betriebsprüfungen nach sich ziehen.

Für die Steuerpflichtigen hingegen bedeuten die ständig verfeinerten EÜR-Vorschriften zunächst einmal mehr Bürokratie: Wer die Steuererklärung nicht über einen Berater abwickelt, muss sich mühsam auf die veränderten Anforderungen umstellen. Und: Sofern die zur Abrechnung eingesetzte Software nicht ohnehin laufend aktualisiert wird, fallen auch noch zusätzliche Umstellungskosten an.

Andererseits: Die auf manche Gründer etwas beunruhigend wirkende einstige Formfreiheit ist nun durch eindeutigere Vorgaben ersetzt worden: Die Steuerpflichtigen wissen jetzt etwas besser, was von ihnen erwartet wird.