Der Kinderzuschlag: Mehr Geld für Familien mit geringem Einkommen

Kinderzuschlag, Höchst- und Mindesteinkommen

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Kinderzuschlag, Höchst- und Mindesteinkommen

Familien sollen nicht zum Sozialfall werden, nur weil sie Kinder haben: Der Kinderzuschlag ist für Eltern gedacht, die mit ihrem Einkommen zwar den eigenen Lebensunterhalt finanzieren können, nicht aber den ihrer Kinder. Im Prinzip gibt es 140 Euro monatlich pro Kind, wenn die Kinder unter 25 Jahre alt und unverheiratet sind und bei ihren Eltern wohnen. Das Einkommen der Eltern muss zwischen festgelegten Grenzen liegen.

Die Regelungen sind allerdings sehr kompliziert. Es ist nicht einfach, herauszufinden, ob der Antrag sich lohnt. Um einen möglichen Anspruch auf den Kinderzuschlag auszurechnen, brauchen Sie also Geduld und einen Taschenrechner - wir helfen mit dieser Anleitung.

Kinderzuschlag

Der Kinderzuschlag wurde mit der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe (Hartz IV) im Januar 2005 eingeführt. Er soll nur ausgezahlt werden, wenn er einer Familie ermöglicht, unabhängig vom Arbeitslosengeld II zu bleiben. Das ist genau dann der Fall, wenn der Zuschlag zusammen mit dem Kindergeld und dem übrigen Einkommen und Vermögen ausreicht, um den Bedarf der ganzen Familie zu decken.

Den maximalen Zuschlag von 140 Euro erhalten Eltern, wenn ihr Bruttoeinkommen genau der Mindesteinkommensgrenze entspricht und das Kind kein eigenes Einkommen oder Vermögen hat. Ansonsten wird der Betrag gemindert.

Beantragen kann den Kinderzuschlag, wer

  • Kindergeld (oder vergleichbare Leistungen) bezieht und

  • die Einkommens- und Vermögensgrenzen erfüllt.

Dem Kindergeld vergleichbare Leistungen sind: Kinderzulagen aus der gesetzlichen Unfallversicherung, Kinderzuschüsse aus den gesetzlichen Rentenversicherungen und Leistungen für Kinder, die außerhalb Deutschlands oder von einer zwischen- oder überstaatlichen Einrichtung gezahlt werden.

Nicht zusammen mit ALG II!

Zusätzlich zu Arbeitslosengeld II, Sozialgeld oder Sozialhilfe wird kein Kinderzuschlag gezahlt! Eltern, die nur Sozialleistungen beziehen und kein eigenes Einkommen oder Vermögen haben, können ihren eigenen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten und haben keinen Anspruch auf den Zuschlag.

Wer bekommt den Kinderzuschlag?

Der Kinderzuschlag steht Eltern (auch Pflege- und Stiefeltern) zu, die zwar den eigenen Lebensunterhalt decken könnten, aber nicht genug verdienen, um für ihre Kinder zu sorgen. Er wird für Kinder gezahlt, die unverheiratet und jünger als 25 Jahre alt sind und noch bei ihren Eltern leben. Das Familieneinkommen darf eine festgelegte Höchstgrenze nicht übersteigen.

Zu den Eltern gehören

  • alleinerziehende Mütter oder Väter,

  • nicht dauernd getrennt lebende Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner,

  • in einer eheähnlichen Gemeinschaft lebende Paare.

Die Mindesteinkommensgrenze

Wer den Kinderzuschlag beantragt, der darf weder zu viel noch zu wenig verdienen.

Die Mindesteinkommensgrenze ist seit Oktober 2008 auf einheitliche Beträge festgelegt: Sie beträgt für Elternpaare 900 Euro, für Alleinerziehende 600 Euro. Wenn das Bruttoeinkommen der Eltern dieser Mindesteinkommensgrenze entspricht oder darüber liegt, haben sie möglicherweise Anspruch auf den Kinderzuschlag.

Die Höchsteinkommensgrenze

Das Einkommen und Vermögen der Eltern darf eine festgelegte Obergrenze nicht überschreiten. Um diese obere Einkommensgrenze zu ermitteln, ist - wie bisher - die komplizierte Berechnung von Lebensunterhalt und Wohnanteil der Eltern als Bemessungsgrenze im Sinne der Regelungen zum Arbeitslosengeld II nötig. Die Höchsteinkommensgrenze entspricht dem Gesamtbedarf der Eltern zuzüglich dem Gesamtkinderzuschlag, den die Familie für ihre Kinder erhalten könnte. Liegt das Bruttoeinkommen darüber, besteht kein Anspruch auf den Zuschlag mehr.

Um die Höchsteinkommensgrenze zu berechnen, muss zunächst der Gesamtbedarf der Eltern ermittelt werden. Diese Bemessungsgrenze berechnet sich in zwei Schritten:

1. Schritt: Pauschalierte Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts (rückwirkend seit 1.1.2011)

Alleinstehende Elternteile

100 % der Regelleistung

364 Euro

Elternpaare

zweimal 90 % der Regelleistung

656 Euro

Kinder ab 14 Jahre bis 25 Jahre

80 % von 359 Euro (alter Regelsatz)

je 287 Euro

Kinder ab 6 Jahre bis 13 Jahre

70 % von 359 Euro (alter Regelsatz)

je 251 Euro

Kinder unter 6 Jahre

60 % von 359 Euro (alter Regelsatz)

je 215 Euro

Zusätzlich zur Regelleistung gibt es nach wie vor Leistungen für Mehrbedarfe, zum Beispiel für Schwangere, manche Behinderte und Menschen, die aus medizinischen Gründen teure Spezialnahrung benötigen.

2. Schritt: Wohnanteil

Die Kosten für Miete und Heizung werden in der tatsächlichen Höhe angesetzt, wenn sie angemessen sind. (Die Behörden ermitteln die ortsüblichen Kosten anhand des örtlichen Mietspiegels und legen fest, welche Beträge angemessen sind.) Um den Lebensunterhalt der Eltern zu ermitteln, wird aber nur ihr Wohnanteil berücksichtigt: Das ist der Teil von Miet- und Heizkosten, der auf die Eltern entfällt. Er ist abhängig von der Kinderzahl.

Alleinstehende Eltern mit

Wohnanteil des Elternteiles

1 Kind

75,53 %

2 Kindern

60,68 %

3 Kindern

50,71 %

4 Kindern

43,55 %

5 Kindern

38,17 %

Elternpaare mit

Wohnanteil der Eltern

1 Kind

83,20 %

2 Kindern

71,23 %

3 Kindern

62,27 %

4 Kindern

55,31 %

5 Kindern

49,75 %

Beispiel: Angenommen, eine Familie mit drei Kindern bezahlt für Miete und Heizung monatlich 900 Euro. Der Lebensunterhalt der Eltern berechnet sich so:

Pauschale Regelleistung für das Elternpaar

656 Euro

+ anteilige Wohnkosten
(62,27 % von 900 Euro, gerundet)

560 Euro

Gesamtbedarf = Bemessungsgrenze

1.216 Euro

Ein weiteres Beispiel: Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern bezahlt monatlich 500 Euro für Miete und Heizkosten. Ihre Höchsteinkommensgrenze errechnet sich so:

Grundbedarf der Mutter
Pauschale Regelleistung (100 %)

364 Euro

+ Wohnbedarf
(60,68 % der angemessenen Kosten), gerundet

303 Euro

Gesamtbedarf der Mutter = Bemessungsgrenze

667 Euro

zuzüglich max. Gesamtkinderzuschlag
(2 x 140 Euro)

280 Euro

Höchsteinkommensgrenze

947 Euro

Nur wenn sich Einkommen und Vermögen der Mutter zwischen 600 und 947 Euro monatlich bewegen, kann sie den Kinderzuschlag erhalten. Liegt ihr Einkommen über 947 Euro, kann sie im Sinne des Gesetzes für den gesamten Familienbedarf selbst aufkommen.