Kopie Rentenversicherungspflicht für Selbstständige

Befreiung und freiwillige Versicherung

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Befreiung und freiwillige Versicherung

Mögliche Befreiung von der Rentenversicherungspflicht - für Existenzgründer und andere Gruppen

Die gute Nachricht: Existenzgründer, die in der Startphase nur einen (Haupt-)Auftraggeber haben, dürfen sich laut § 6 SGB VI Abs. 1a für einen Zeitraum von maximal drei Jahren auf Antrag von der Versicherungspflicht befreien lassen. Die Ausnahmeregelung kann aber höchstens zweimal im Leben in Anspruch genommen werden. Die zweite Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit setzt dabei voraus, dass sich das Geschäftsfeld wesentlich verändert hat.

Die Möglichkeit der Befreiung von der Versicherungspflicht haben außerdem arbeitnehmerähnliche Selbstständige, die bereits 58 Jahre alt sind und nach einer vorherigen Selbstständigkeit erstmals versicherungspflichtig werden. In § 231 SGB VI sind darüber hinaus noch eine ganze Reihe weiterer Befreiungsmöglichkeiten für bestimmte Personenkreise aufgelistet.

Bitte beachten Sie: Anträge auf Befreiung von der Versicherungspflicht sind grundsätzlich erst ab dem Zeitpunkt der Antragstellung wirksam. Rückwirkend gelten sie nur in den ersten drei Monaten nach Eintritt der Befreiungsvoraussetzungen.

Weiterführende Informationen

Ausführliche Informationen zum "Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung für Selbstständige mit einem Auftraggeber" finden Sie auf der DRV-Website.

Auch das noch: Freiwillig (pflicht)versichert!?

Des einen Leid ist des anderen Freud: Wer als Selbstständiger nicht rentenversicherungspflichtig ist, darf aus freien Stücken (weiter) Beiträge einzahlen. Dabei haben Sie die Wahl zwischen ...

Vorteil der freiwilligen Versicherung: Sie ist extrem flexibel. Bei dieser Variante steht es Ihnen völlig frei, ob, in welcher Höhe (bis zur Beitragsbemessungsgrenze) und wie oft Sie Beiträge entrichten.

Vorteil der Antragspflichtversicherung: Manch attraktive Rentenversicherungs-Leistung ist Pflichtversicherten vorbehalten. Das gilt insbesondere für Renten aufgrund verminderter Erwerbsfähigkeit sowie Reha-Maßnahmen. Einen Antrag auf Pflichtversicherung müssen Sie innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit gestellt haben. Das regelmäßige monatliche Arbeitseinkommen muss dabei höher als 450 Euro sein.

Fazit

Totgesagte leben länger: Die gesetzliche Rentenversicherung gewinnt an Bedeutung. In Zukunft werden auch viele Selbstständige nicht daran vorbeikommen. Sei es, weil sie vom Gesetzgeber dazu gezwungen werden - sei es, weil sie zuvor bereits erworbene Ansprüche auf bestimmte Leistungen sichern möchten.

Solange die angekündigte Neuregelung der gesetzlichen Altersvorsorge noch nicht in Kraft getreten ist, gilt:

  • Um eine unfreiwillige Rentenversicherung zu vermeiden, sollten Sie durch eindeutige Leistungsbeschreibungen klarstellen, dass Sie versicherungsfreie Tätigkeiten ausüben: So machen Sie zum Beispiel als Coach, Moderator, Trainer oder Supervisor am besten immer deutlich, dass Sie individuell beratende und keine lehrenden oder erzieherischen Tätigkeiten ausüben!

  • Falls Sie als Selbstständige/r möglicherweise zum Kreis der Pflichtversicherten gehören, sollten Sie sich bei der Beurteilung Ihres Einzelfalls nicht auf Ihr eigenes Urteil verlassen: Sie laufen sonst Gefahr, Rentenbeiträge für bis zu fünf Jahre nachzahlen zu müssen! Am besten lassen Sie sich bei Ihrem Berufs- oder Branchenverband oder von einem unabhängigen Rentenberater über die Besonderheiten Ihrer selbstständigen Tätigkeit und eventuelle Gestaltungsspielräume informieren.