Schufa: Was wird eingetragen, wann wird gelöscht, wer erhält Auskunft?

Löschung und Auskunft

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Löschung und Auskunft

Wann wird mein Negativeintrag endlich gelöscht?

Von einer sofortigen Löschautomatik (beispielsweise nach einer vertragsgemäßen oder verspäteten Erledigung) kann keine Rede sein: Gelöscht werden Schufa-Einträge aller Art generell erst am Ende des dritten Kalenderjahres nach dem Jahr der Eintragung. Je nach Eintragsart gelten jedoch etwas unterschiedliche Fristen:

  • Sofort gelöscht werden nur Einträge, die unzulässig gespeichert worden sind. Nachweislich falsche Daten werden berichtigt. Beides müssen Sie aber selbst veranlassen. Voraussetzung dafür ist in aller Regel eine Selbstauskunft.

  • Negativeinträge in Form von Mitteilungen über nicht vertragsgemäß abgewickelte Geschäfte ("Saldo Fälligstellung") werden frühestens am Ende des dritten Kalenderjahres nach Eintragung gelöscht. Eine Eintragung vom 8. Februar 2010 über ein "Konto in Abwicklung" taucht also erst am 1. Januar 2014 nicht mehr in der Schufa-Datenbank auf.

    Wichtig: Die Schufa-Vertragspartner haben die Möglichkeit, diese Frist durch regelmäßige "Salden-Nachmeldungen" zu verlängern: Das tun sie schon allein deshalb, weil sich die Höhe der Forderungen durch die auflaufenden Zinsen erhöht. Der Zeitpunkt einer eventuellen Erledigung spielt in dem Fall für den Löschtermin keine Rolle.

  • Geht ein Geschäftsvorgang obendrein in das gerichtliche Mahnverfahren und erwirbt der Gläubiger einen gerichtlichen Vollstreckungs-"Titel" (= "Vollstreckungsbescheid"), dann entsteht eine "titulierte Forderung": Solche Schufa-Einträge werden taggenau drei Jahre nach einer Erledigung automatisch aus der Schufa-Datenbank entfernt. Angenommen der Gläubiger der am 8. Februar 2010 bei der Schufa eingetragenen Forderung erwirkt einen Vollstreckungsbescheid und der Schuldner zahlt am 14. Juni 2010, dann verschwindet der Negativeintrag am 14. Juni 2013.

  • Informationen aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen, Insolvenzverfahren und Erzwingungs-Haftbefehle werden von der Schufa ebenfalls erst nach drei Jahren gelöscht - gerechnet wiederum ab dem Zeitpunkt, an dem das Gericht die Löschung vorgenommen hat.

    Im Unterschied zu den sonstigen Schufa-Einträgen haben Schuldner hierbei allerdings die Möglichkeit, von der Schufa die sofortige Löschung zu verlangen. Sie müssen dafür die Löschungsurkunde des Amtsgerichts vorweisen können.

Sofortige Löschung nur bei öffentlichen Informationen!

Bitte beachten Sie: Anspruch auf sofortige Löschung einer Insolvenz-Eintragung haben Sie nur dann, wenn die zugrunde liegende Information aus einem öffentlichen Schuldnerverzeichnis stammt!

Offene Forderungen, die vor der Insolvenz von Schufa-Partnern gemeldet worden sind, behalten nach Ablauf der Wohlverhaltensphase noch drei Jahre lang den Vermerk "Restschuldbefreiung". Daran ändert auch der Nachweis der Restschuldbefreiung durch das zuständige Amtsgericht ("Löschungsurkunde") nichts!

Wer sieht was?

Schufa-Auskunft ist nicht gleich Schufa-Auskunft. Wie so oft - es kommt darauf an:

  • Am umfangsreichsten ist die gesetzliche Datenübersicht bzw. der persönliche Teil der Bonitätsauskunft: Nur Sie selbst bekommen Ihren kompletten Datensatz zu Gesicht. Sie erkennen sämtliche Anfragen aus den letzten zwölf Monate sowie Eintragungen und Erledigungs- oder Löschvermerke. In jedem Einzelfall können Sie erkennen, wann welches Unternehmen die Anfrage gestellt oder die Eintragung vorgenommen hat.

  • Die Mitarbeiter von "A-Vertragspartnern" der Schufa (Banken und Sparkassen) sehen "bankrelevante" Positiv- und Negativinformationen sowie die Negativinformationen von Unternehmen anderer Branchen (z. B. die von Telefongesellschaften oder Versandhändlern). Sie erfahren jedoch nicht, bei welchen Unternehmen Sie Kunde sind. A-Partner sehen außerdem, ob ein anderes Unternehmen in den letzten zehn Tagen eine Auskunft über Sie bei der Schufa eingeholt hat.

  • B-Vertragspartner (Handelsunternehmen) werden lediglich über die Art vorliegender Zahlungsstörungen informiert, nicht jedoch über die Branche oder gar darüber, um welche konkreten Unternehmen es sich handelt. Auch Telekommunikationsunternehmen gehören zu den B-Partnern. Sie wiederum erhalten zusätzlich Positiv- und Negativinformationen aus ihrer Branche.

Wie bekomme ich eine Selbstauskunft?

Seit April 2010 sind die Informationspflichten von Auskunfteien im Datenschutzgesetz neu geregelt. Laut Paragraf 34 Bundesdatenschutzgesetz haben Sie neuerdings einmal im Jahr Anspruch auf eine kostenlose Auskunft über die zu Ihrer Person gespeicherten Angaben.

Neu: Gebührenfreie Datenübersicht

Den unentgeltlichen Einblick in die über Sie gespeicherten Daten nennt die Schufa "Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz". Darin erfahren Sie ...

  • welche Informationen die Schufa über Sie gesammelt hat,

  • woher die Daten stammen und

  • an wen sie weitergeleitet wurden.

Das Bestellformular für die Datenübersicht können Sie aus dem Internet herunterladen oder per Post anfordern:

Schufa Holding AG
Postfach 10 21 66
44721 Bochum

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Das Bestellformular für die neue, kostenlose Schufa-Datenübersicht

Bitte beachten Sie: Neben dem ausgefüllten Bestellformular müssen Sie eine Kopie Ihres Personalausweises an die Schufa schicken. Nach einigen Tagen erhalten Sie die angeforderte Datenübersicht per Post.

Gebührenpflichtige Bonitätsauskunft und Online-Zugang

Zusätzlich zur neuerdings kostenlosen Datenübersicht stellt die Schufa die früher Eigenauskunft (umgangssprachlich: "Selbstauskunft") sowie Verbraucherauskunft genannten Informationen auf unterschiedlichen Wegen zur Verfügung:

  • Die Bonitätsauskunft enthält neben der kompletten Eigenauskunft eine "beweiskräftige Auskunft für Geschäftspartner" (vormals: "Verbraucherauskunft"), in der die wichtigsten Angaben über Ihre Zahlungsfähigkeit enthalten sein sollen. Eine solche einmalige Bonitätsauskunft - zum Beispiel zur Vorlage bei einem potenziellen Arbeitgeber oder Vermieter - schlägt mit stolzen 18,50 Euro zu Buche.

    Sie können auch dieses Anforderungsformular von der Schufa-Website herunterladen (PDF, 105 KB), ausfüllen und zusammen mit der Kopie eines Ausweisdokuments an die Schufa schicken.

  • Einmalig 18,50 Euro kostet der - anschließend dauerhaft kostenlose Online-Zugang zur Schufa-Auskunft. Mit dessen Hilfe können Sie Ihren Bonitäts-Status jederzeit eigenhändig checken. Ein gebührenfreier "Update-Service" benachrichtigt Sie bei Bedarf per E-Mail und / oder SMS, wenn die Schufa Änderungen an Ihren persönlichen Daten vornimmt oder ein Schufa-Vertragspartner Informationen über Sie einholt.

  • Sofern Sie einen Schufa-Onlinezugang haben, bezahlen Sie für einzelne Bonitätsauskünfte, die Sie an einen Dritten weitergeben möchten / müssen, statt 18,50 Euro "nur" 7,80 Euro. Im Rahmen einer Einführungsaktion gibt es derzeit außerdem ein Kombi-Paket aus einmaliger postalischer Bonitätsauskunft plus dauerhaftem Onlinezugang für insgesamt 18,50 Euro.

WebCodes statt Bonitätsauskunft

Die Inhalte eines WebCodes

Wer über einen Online-Zugang verfügt, hat zudem die Möglichkeit, zusätzlich oder alternativ zur Bonitätsauskunft sogenannte WebCodes freischalten zu lassen: Mit deren Hilfe können Dritte (z. B. potenzielle Arbeitgeber oder Vermieter) Kurzinformationen über Ihre Identität und Zahlungsfähigkeit via Internet direkt bei der Schufa abrufen. Welche Informationen per WebCode weitergegeben werden, kann der einzelne Anwender dabei selbst festlegen:

In jedem Schufa-Onlinezugang ist standardmäßig ein gebührenfreier WebCode enthalten. Jeder weitere WebCode kostet im 5er-Pack pro Stück 2 Euro, im 10er-Pack 1,80 Euro (jeweils inklusive Mehrwertsteuer).

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Und was hat es mit dem ominösen Scoring-Wert auf sich?

Das Schufa-Scoring (= statistischer Wahrscheinlichkeitswert über das voraussichtliche Zahlungsverhalten in der Zukunft) ist nicht zu verwechseln mit der Schufa-Auskunft: Aus Sicht des Anbieters handelt es sich dabei nicht um personenbezogene Daten: Vielmehr werden Verbraucher mit ähnlichen Merkmalen "nur" in - je nach Branche unterschiedliche - Risikoklassen zusammengefasst. Immerhin: Zumindest der aktuelle prozentuale "Basis-Scorewert" kann neuerdings sowohl zusammen mit der kostenlosen "Datenübersicht nach § 34 Bundesdatenschutzgesetz" als auch über den Schufa-Onlinezugang abgerufen werden.

Welche Risikoklassen es gibt und wie Ihre Scoring-Werte zu interpretieren sind, entnehmen Sie dem Abschnitt "Schufa-Scoring" unseres Grundlagenbeitrags "Schufa-Eigenauskunft und Score-Ermittlung".

An wen wende ich mich mit Fragen?

Weiterführende Informationen über die verschiedenen Arten von Schufa-Einträgen, Erledigungsvermerken und die genauen Löschfristen erhalten Sie auf beim Schufa-Verbraucherportal meineschufa.de.

Wenn Sie Verständnisfragen zu Ihrem Einzelfall haben, wenden Sie sich zunächst einmal am besten an die Schufa-Hotline (Festnetz: 0,14 Euro / Min.; Mobilfunk: max. 0,42 Euro / Min.). Die Service-Mitarbeiter sind durchweg geduldig und gut informiert. Es fällt ihnen manchmal jedoch schwer, sich auf Fragen von Schufa-unerfahrenen Anrufern einzustellen. Lassen Sie in solchen Fällen nicht locker: Bitten Sie darum, dass Ihre Fragen Schritt für Schritt beantwortet werden, bis Sie alles ganz genau verstanden haben.

Wenn Sie sich von der Schufa bzw. einem ihrer Vertragspartner ungerecht behandelt oder in Ihren Rechten verletzt fühlen, wenden Sie sich am besten an eine Schuldner- oder Verbraucherberatung in Ihrer Nähe. Die entsprechenden Anlaufstellen finden Sie zum Beispiel über ...