Krankengeld für freiwillig versicherte Selbstständige

Krankengeld für Selbstständige: Die Krankengeld-Möglichkeiten für freiwillig gesetzlich Krankenversicherte

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Von: Ann Yacobi
Stand: 29. Mai 2017 (aktualisiert)

Krankengeld: Normaltarif und Wahltarif

Auch Selbstständige werden krank. Und verdienen dann in der Regel in der Zeit nichts. Als freiwillig gesetzlich versicherter Selbstständiger können Sie aber für den Krankheitsfall vorsorgen. Was Sie dafür wissen müssen - auch wenn Sie in der Künstlersozialkasse (KSK) versichert sind, einen Gründungszuschuss erhalten oder gerade in Rente gehen - erfahren Sie in unserem ausführlichen Ratgeber.

Wenn Sie selbstständig und freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind, müssen Sie seit 1. August 2009 einen Wahltarif Krankengeld abschließen, um Anspruch auf Krankengeld zu haben. Die Alternative: Sie bezahlen den allgemeinen Beitragssatz (Normalbeitrag) der gesetzlichen Krankenkasse und bekommen damit Krankengeld ab dem 43. Krankheitstag.

Ihre Krankengeld-Alternativen

Anspruch auf Krankengeld haben freiwillig versicherte Selbstständige nur, wenn Sie entweder den - höheren - Normalbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung von 14,6 Prozent (2017) plus kassenabhängigen Zusatzbeitrag bezahlen oder einen Wahltarif Krankengeld abschließen.

Der Wechsel in den Normalbeitrag ist jederzeit möglich, ebenso wie der Abschluss eines Wahltarifs. Beim Wahltarif gelten allerdings je nach Krankenkasse Karenzzeiten von bis zu sechs Monaten. In dieser Zeit bekommen Sie im Krankheitsfall noch kein Geld.

Selbstständige haben fünf Alternativen, was die Krankengeldfrage betrifft:

  1. Nichts tun (= kein Krankengeldanspruch):

    Freiwillig Versicherte, die keine Wahlerklärung abgeben und keinen Wahltarif abschließen, zahlen den ermäßigten Beitragssatz von 14 Prozent (2017) plus Zusatzbeitrag und haben dafür keinen Anspruch auf Krankengeld.

  2. Krankengeld zum Normalbeitrag:

    Für eine Einstufung in den allgemeinen Beitragssatz genügt eine formlose Wahlerklärung gegenüber Ihrer Krankenkasse. Damit haben Sie Anspruch auf das gesetzliche Krankengeld ab dem 43. Tag Ihrer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit, und zwar ohne Karenzzeit.

    Wenn Sie den Normalbeitrag wählen, sind Sie an diese Entscheidung 3 Jahre lang gebunden. Die Krankenkasse können Sie während dieser Mindestlaufzeit dennoch wechseln. Dabei gilt die übliche Frist von 18 Monaten.

  3. Wahltarif Krankengeld:

    Wenn Sie bei Ihrer Kasse einen Wahltarif Krankengeld abschließen, können Sie die Konditionen im Gegensatz zum Normalbeitrag relativ frei vereinbaren. Sie können zum Beispiel den Krankengeldanspruch erst nach dem 43. Kalendertag versichern. Außerdem kann Ihr Krankengeld durchaus höher oder niedriger als das gesetzliche sein, das derzeit maximal 101,50 Euro pro Kalendertag (2017) beträgt - es darf aber freilich nicht das vorherige Einkommen übersteigen. Grundsätzlich gilt: Je früher die Versicherung zahlt (z. B. ab der 3. oder ab der 7. Krankheitswoche) und je höher das vereinbarte Krankengeld, desto höher der Beitrag.

    Der Nachteil: Versicherte sind drei Jahre lang an den Wahltarif und die Krankenkasse gebunden. Und zwar auch dann, wenn sie schon jahrelang bei diesem Anbieter krankenversichert sind. Vorher ist ein Kassenwechsel selbst dann nicht möglich, wenn die Kasse ihren Zusatzbeitrag anhebt. (Der Zusatzbeitrag ist von Kasse zu Kasse unterschiedlich und liegt derzeit zwischen 0,3 und 1,8 Prozent.)

    Die Angebote der verschiedenen Krankenkassen unterscheiden sich erheblich - es lohnt sich also, sehr genau zu vergleichen! Vergleichen sollten Sie nicht nur die Höhe des Zusatzbeitrags und den Preis des Wahltarifs: Während manche Kassen die Krankengeldzahlung auf 52 Wochen beschränken, zahlen andere Anbieter bei vergleichbarer Beitragshöhe nur für 12 Wochen Krankengeld!

    Wenn Ihre Kasse zu den teuren Anbietern gehört, sollten Sie also einen Kassenwechsel in Erwägung ziehen, bevor Sie einen Wahltarifs abschließen. Wechseln können Sie allerdings nur, wenn Sie bereits seit mindestens 1,5 Jahren bei Ihrer Krankenkasse versichert sind (18-monatige Bindungsfrist).

    Die Krankenkassen können für die Wahltarife eine Karenzzeit festlegen: Erst nach einer Wartezeit von drei bis vier Monaten ab Vertragsschluss, bei manchen Kassen sogar noch länger, können Sie tatsächlich Krankengeld beziehen.

    Alle gesetzlichen Krankenkassen müssen Wahltarife anbieten. Das tun sie aber nur für ihre Mitglieder. Sie müssen den Wahltarif also bei der Krankenkasse abschließen, bei der Sie krankenversichert sind. Zu diesem Punkt finden sich viele Falschinformationen im Internet. Dort wird mitunter empfohlen, Krankenversicherung und Krankengeldabsicherung bei verschiedenen Anbietern abzuschließen. Wahltarife gibt's nur bei der eigenen gesetzlichen Krankenkasse!

    Wenn Sie sich für einen Wahltarif entscheiden, gilt dieser ab dem Ersten des Monats, nach dem die Teilnahmeerklärung bei der Versicherung eingegangen ist. Für Existenzgründer gilt der Wahltarif dagegen rückwirkend ab dem ersten Tag der Selbstständigkeit - allerdings nur, wenn sie ihre Teilnahmeerklärung innerhalb von 14 Tagen nach Aufnahme der selbstständigen Arbeit an die Kasse senden.

  4. Kombination von Wahlerklärung und Wahltarif:

    Auch das ist möglich: Wenn Sie das gesetzliche Krankengeld ab dem 43. Krankheitstag beanspruchen, sich aber auch für die Zeit davor absichern möchten, dann können Sie zusätzlich zur Wahlerklärung einen Wahltarif Krankengeld mit Ihrer Kasse abschließen. Auch hier können Sie Höhe und Dauer der Leistung individuell vereinbaren.

  5. Private Krankentagegeldversicherung:

    Wer weder eine Wahlerklärung abgibt noch einen Wahltarif abschließt, kann jederzeit bei einer privaten Krankenkasse eine Krankentagegeldversicherung abschließen. Auch die privaten Anbieter legen unterschiedlich lange Karenzzeiten fest, in denen Sie trotz Beitragszahlung noch keinen Anspruch auf Krankentagegeld haben.

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Schlechterstellung Krankengeld freiwillig vers. Selbstständige

Es gibt im Bezug von Krankengeld noch einen wichtigen Unterschied zu den gesetzlich versicherten Beitragszahlern. Erkranken Sie als gesetzlich Versicherter erhalten Sie ab dem 43. Tag Krankengeld. Als freiwillig gesetzlich Versicherter haben Sie die Möglichkeit der Wahltarife. Wählen Sie nun einen Tarif der dem Anspruch auf Krankengeld ab dem 43. Tag entspricht, bekommen Sie ebenfalls ihr erstes Krankengeld ab diesem Tag. Wenn nun der gesetzlich Versicherte nach z.B 20 Tagen Krankengelbezug wieder seine Arbeit für z.B 4 Wochen aufnimmt, und dann wiederum mit demselben Krankheitsbild erkrankt, steht er danach nochmals im Krankengeldbezug und nicht in der Lohnfortzahlung.
Dies ist bei freiwillig gesetzlich Versicherten anders. Der Versicherte hat nach 20 Tagen Arbeitsaufnahme (weniger oder mehr spielt keine Rolle) nochmals eine Frist von 6 Wochen einzuhalten bis er wieder Anspruch auf Krankengeld hat. Diese Schlechterstellung könnte den einen oder anderen ins soziale Abseits drängen.
Warum werden freiwillig gesetzlich Versicherte im Bezug von Krankengeld schlechter gestellt? Dies scheint eine legale vertragliche Auslegung der Kassen aus dem SGB V zu sein. Im Gesetz findet sich dazu keine diesbezügliche Einschränkung!

Antwort: Schlechterstellung Krankengeld freiwillig vers. Selbsts

Guten Tag,
die Schlechterstellung freiwillig Versicherter beim Krankengeld ist tatsächlich fragwürdig. Allerdings ist das m. W. vom Gesetzgeber ausdrücklich abgesegnet. In § 53 Abs. 6 SGB V
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__53.html
... heißt es ausdrücklich: "Von § 47 kann abgewichen werden. " Und in § 47 SGB V
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__47.html
wiederum ist die "Höhe und Berechnung des Krankengeldes" geregelt.
Alles Gute (vor allem eine robuste Gesundheit) und freundliche Grüße
Robert Chromow

Warum zählen nicht die Einnahmen, sondern das Einkommen ??

Die Anmerkung der Autorin: "Selbstständige bekommen nur Krankengeld ausbezahlt, wenn aus der selbstständigen Erwerbstätigkeit ein steuerlicher Gewinn erwirtschaftet wird! Denn das Krankengeld soll ja entgangenes Einkommen ersetzen: Wo kein Einkommen, da kein Krankengeld."
Warum soll denn das Krankengeld keine Einnahmen ersetzen ?? Das Einkommen ist ja nur steuerliche Definition bei Selbstständigen in der Steuererklärung. Das sagt überhaupt nichts über Einnahmen aus, welche dann im Krankheitsfall nicht vorhanden sind. Das Einkommen in der Definition der Steuererklärung sind die EINNAHMEN abzüglich der AUSGABEN. In der Anfangsphase der Existenzgründung sind Investitionen etc, erforderlich um überhaupt EINNAHMEN erzielen zu können. Die Anmerkung der Autorin gut zu überlegen, ob in der Startphase es sinnvoll ist, einen Tarif mit Krankengeldanspruch abzuschliessen, ist hilfreich. Jedoch ist doch im Grunde das Problem, dass bei einem Unfall o.ä. ich keinen Krankengeldanspruch habe, obwohl ich Einnahmen hatte, nur meine Investitionen höher als diese waren ? Die Krankenkasse bemisst die Höhe der Beiträge ja auch nicht nur nach dem EINKOMMEN, sondern auch nach sonstigen EINNAHMEN (aus Kapitalvermögen etc.). Eine Aufrechnung positiver EINNAHMEN mit negativen EINNAHMEN ist hier aber nicht möglich. Aus meiner Sicht ist klar, warum viele Selbstständige nicht versichert sind, oder andere "Wege" der Versicherung gehen. Warum wird kein Krankengeldanspruch in Höhe der Beitragsbemessungsgrenze angeboten ?

reichlich Einnahmen für die Kassen! oder doch Einkommen ?

Die Krankenkasse zahlt nur Krankengeld wenn Verdienst/ Einkommen vorhanden war. Andererseits berechnen die Kassen den Beitrag nach dem Mindesteinkommen von ca. 2000,00 Euro mtl. also 14,9% (ohne)
egal ob ich dieses Einkommen tasächlich hatte oder nicht.
Das Grundgesetz scheint mir hier nicht zu gelten. Kassen, beziehungsweise der Gesetzgeber sind eben gleicher.

Aber das gibt es auch: ich bin selbständig und zahle den Mindestbeitrag - 2011 etwa bei 330,00. Als Geschäftsmann bin ich Mieter bei meiner Ehefrau. 2011 hatte ich durch Investitionen und andere Umstände nur ein Jahreseinkommen von ca 11.000 Euro
Meine Ehefrau ca 4000,00 Euro Gewinn aus Vermietung und Verpachtung. Zusammen ereichen wir also nicht mal das Mindesteinkommen.
Meine Zahlungen an die Kasse ca 12 x 330 Euro= 3960 Euro
Meine Frau durfte auf Ihre " Einnahmen" = 1800 Euro zahlen
Bei einem gemeinsamen Einkommen von also ca. 15000 Euro
durften wir rund 5800 Euro nur Krankenkasse zahlen
- wieviel % sind das?
Zugegeben ein schlechtes Jahr und da erweist sich das soziale System als Würgegriff.
Jeder Arbeitnehmer zahlt nach dem tatsächlichen Verdienst
und erhält danach auch Krankengeld. Nur das ist gerecht.
Warum wohl wird jungen Menschen die Selbständigkeit so schmackhaft gemacht?

Antwort: Warum zählen nicht die Einnahmen, sondern das Einkommen

Guten Tag,
Ihren Überlegungen sind durchaus nachvollziehbar - allerdings finden sie keinen Niederschlag im Sozialversicherungsrecht. Die Berechnungsgrundlage des Krankengeldes ist in § 47 SGB V geregelt:

------------ Zitat ----------------
Das Krankengeld beträgt 70 vom Hundert des erzielten regelmäßigen Arbeitsentgelts und Arbeitseinkommens, soweit es der Beitragsberechnung unterliegt
----------Zitat-Ende --------------
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__47.html

Die Definitionen von "Arbeitsentgelt" und "Arbeitseinkommen" wiederum finden sich in § 14 SGB V und § 15 SGB V. Für Selbstständige gelten die Bestimmungen des § 15 SGB V

Dort heißt es:
------------ Zitat ----------------
Arbeitseinkommen ist der nach den allgemeinen Gewinnermittlungsvorschriften des Einkommensteuerrechts ermittelte Gewinn aus einer selbständigen Tätigkeit.
----------Zitat-Ende --------------
http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_4/__15.html

Sie haben völlig recht, dass diese Regelung aus Sicht vieler Solo-Selbstständigen und Kleingewerbetreibenden problematisch ist. Andererseits handelt es sich immerhin um eine freiwillige _Sozial_versicherung, deren Funktion nicht darin bestehen kann, Einnahmenausfälle von Unternehmen zu kompensieren. Für diesen Zweck sind Betriebsausfallversicherungen gedacht.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Krankentagegeld und berufliche Wiedereingliiederung

Ich bin selbständig und beziehe Krankentageld. Nach einer gerade umsetzten Reha - Maßnahme wurde die stufenweise Wiedereingliederung vom der Rentenvesicherung ( Träger der Reha - Maßnahme )festgelegt und auch vom Vertrauensarzt der Kranenkasse empfohlen. N u n teilte mit die krankenversicherung mit, dass sie nicht bereit sei, während dieser Zeit Krankentagegeld zu leisten. ( Stufenweise Wiedereingliederung bedeutet in meinem Mall 2 Stunden täglich, dann 4 Stunden täglich und nachfolgend 6 Stunden tägliche Wiederaufnahme der Arbeit. Da ich während der Wiedereingliederung ja weiterhin nicht berufsfähig bin, sondern laut Festlegung der Deutschen Rentenversicherung weiterhin krankgeschrieben bin, ist diese Entscheidung für mich nicht nachvollziehbar. Wie ist hier der Sachstand? Wie soll ich mich verhalten ?

Kasse muss bei Hamburger Modell kein Krankentagegeld zahlen

Hallo,

hier die Antwort unserer Expertin Ann Yacobi:

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Ein vereinbartes Krankentagegeld wird in der (privaten und gesetzlichen ) Krankenversicherung nur dann gezahlt , wenn der Versicherte seine berufliche Tätigkeit in keiner Weise ausüben kann und keiner anderen Tätigkeit nachgeht. Das legen die Musterbedingungen zur Krankentagegeldversicherung fest (§ 1 Nr. 3 MB/KT 94). Die Kasse muss also nur dann zahlen, wenn eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Wer dagegen teilweise seiner Berufstätigkeit nachgeht oder das (gegebenenfalls mit Einschränkungen) tun könnte, hat keinen Anspruch auf Krankentagegeld (vgl. auch Urteil des OLG Koblenz vom 24.10.2008, AZ: 10 U 230/07). Die Kasse muss in diesem Fall (teilweise Arbeitsunfähigkeit) auch kein anteiliges Krankentagegeld zahlen.

Es gibt aber durchaus Versicherer, die bei einer teilweisen Arbeitsunfähigkeit eine Teilleistung erbringen oder sich an einer Wiedereingliederung nach dem so genannten Hamburger Modell beteiligen - sie müssen aber nicht. Das hängt dann vom jeweils geschlossenen Vertrag bzw. vom Anbieter ab. Im vorliegenden Fall scheint das nicht der Fall zu sein. Dennoch würde ich auch hier empfehlen, den Vertrag nochmal von einem Fachmann (Versicherungsberater / PKV-Makler) durchsehen zu lassen, ob dem tatsächlich so ist. Eventuell muss die Rentenversicherung auch Übergangsgeld zahlen, wenn die Wiedereingliederung unmittelbar (innerhalb von 28 Tagen) nach einer Reha-Maßnahme beginnt. Außerdem ist die Teilnahme an einer Wiedereingliederungsmaßnahme freiwillig, unter Umständen kann es sogar Sinn machen, abzulehnen.

Das ist dann jedoch wirklich Einzelfallberatung.

(Anders verhält es sich übrigens beim Krankengeld: Hier gilt der Arbeitnehmer während einer stufenweisen Wiedereingliederung als vollständig arbeitsunfähig, und das Krankengeld wird in vollem Umfang weitergezahlt. Eine Zahlung des Arbeitgebers für die geleisteten Arbeitsstunden ist dagegen freiwillig.)
********

Ich hoffe, das hilft Ihnen etwas weiter.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre akademie.de-Redaktion
Simon Hengel

Ich beziehe zur Zeit Krankengeld noch nach dem alten Wahltarif ( vom 01.01.2009-31.07.2009 ) als Selbstständiger bei einer gesetzlichen Krankenkasse.
Meine Frage: Kann mich die Krankenkasse zwingen bei Erreichen der Regelaltersrente ( 65 Jahre) einen Rentenantrag zu stellen,oder muß die Krankenkasse bei arbeitsunfähigkeit auch über das 65 Lebensjahr hinaus weiter Krankengeld bezahlen.

Bin zufällig hier gelandet. Folgendes ist schon sehr interessant: Es gibt Personen, die eine Frage zu ihrer Krankenversicherung haben und eine Frage in einem Forum bzw. Fragen an einen Autor stellen. Was mich wundert: Wenn ich eine Frage zu meinem Krankengeldanspruch (oder allgemein zu meiner Versicherung/Mitgliedschaft) habe, warum rufe ich dann nicht einfach bei meiner Krankenkasse an?? Da sitzen doch die Profis, die einem konkret (auf meinen Fall bezogen mit allen benötigten Daten) eine Antwort geben können.

Oder schreiben hier nur Personen, die bei einer BKK versichert sind, und aufgrund dieser Mitgliedschaft in einer (ehemals) billigen "virtuellen" Krankenkasse keine telefonische Beratung erhalten oder keine Antwort auf ihre Emails? Dann würde ich mir überlegen, in eine andere Kasse zu wechseln, die ich telefonisch erreichen kann und bei der ich auch eine kompetente Beratung erhalte. Gerade unter dem Gesichtspunkt, dass alle Kassen gleich billig/teuer sind und wahrscheinlich keine Kasse von der Rückzahlung von Versicherungsbeiträgen gebrauch machen wird.

Auch teurere Krankenkassen können unfähig sein

Mein Mann und ich sind bei der größten gesetzlichen Krankenkasse in Deutschland versichert, die definitiv kein Billigheimer ist. Mit der telefonischen und schriftlichen Beratung, die dort prinzipiell gut ausgebaut ist, haben wir in der Vergangenheit aber oft ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht. Dazu zwei Beispiele:

Die Sachbearbeiterin für die Krankengeldberechnung war nicht in der Lage, das Krankengeld für meinen selbstständigen Mann korrekt zu berechnen. Auf meine Hinweise, der errechnete Betrag sei zu niedrig, reagierte sie zunächst überhaupt nicht. Als mir dann auffiel, dass sie ihrer Berechnung schlicht und einfach die falsche Zeile in der BWA zugrundegelegt hatte, und ich sie konkret darauf ansprach, sagte sie, das müsse sie noch einmal mit ihrem Chef besprechen. Ihr Rückruf kurz darauf ergab: Ja, das Krankengeld war tatsächlich zu niedrig angesetzt und wird neu berechnet. Warum bitte setzt man an die Krankengeldberechnung von Selbstständigen bei der größten deutschen Krankenkasse keine Sachbearbeiter, die mit ESt-Bescheiden und BWAs umgehen können?

Das zweite, was mich damals extrem gestört hat, war der mehrfache telefonische Versuch, meinem Mann zu suggerieren, er führe doch sicher weiterhin einige betriebswirtschaftliche Aufgaben in seiner Baufirma aus, wie Rechnung schreiben, Steuerunterlagen vorbereiten usw., auch wenn die schwere körperliche Arbeit auf der Baustelle aktuell nicht möglich sei. Der Sinn der Aktion ist klar: Sobald mein Mann auch nur eine einzige Rechnung geschrieben hätte o.ä., wäre er nicht mehr arbeitsunfähig gewesen und hätte keinen Anspruch mehr auf Krankengeld gehabt. Das haben wir aber mal ganz schnell abgebügelt, weil ich ohnehin seine Büroarbeit unentgeltlich erledigt habe und den Rest die Steuerberaterin gemacht hat.

Und dann noch die von Frau Yacobi mehrfach erwähnte Konstellation, dass in einem Jahr große Investitionen zu tätigen sind, wodurch einem nach Logik der Krankenkasse u.U. gar kein Gewinn entgeht, da man ja keinen hatte: Das muss nicht nur in der Gründungsphase der Fall sein. Wenn ein Firmen-PKW abgeschrieben und nicht mehr einsatzbereit ist, man also ausgerechnet in dem Jahr Ersatz beschafft, das als Berechnungsbasis fürs Krankengeld zugrundegelegt wird, ist man ziemlich angeschmiert. Wir hatten damals das Glück, dass statt des ESt-Bescheids für 2006 eine BWA aus dem Folgejahr zugrundegelegt werden konnte, aber ich weiß nicht, ob das immer noch möglich ist.

Wer im relevanten Jahr einen Investitionsabzugsbetrag gebildet hat und irgendwann - rechtzeitig - merkt, dass er wohl für längere Zeit ausfallen wird, sollte vermutlich zumindest umgehend dem Finanzamt gegenüber erklären, dass er diesen IAB auflöst, damit der ESt-Bescheid rückwirkend geändert wird. (Bereits getätigte Investitionen lassen sich natürlich nicht mehr wegdiskutieren.) Ich hatte das mit unserer Steuerberaterin besprochen, und die sieht die Sache ähnlich.

Mein Mann hatte außerdem das Pech, genau in der Zeit arbeitsunfähig zu sein, in der die alte auf die neue Wahltarif-Struktur umgestellt wurde: Laut den Statuten der Krankenkasse durfte er sich nicht für einen der neuen Tarife anmelden, der alte war allerdings auch nicht mehr gültig. Wir haben nur durch massiven Druck und Drohung mit der Presse erreicht, dass er ausnahmsweise doch noch sein Krankengeld erhalten hat.

Ich habe als selbstständiger einen Zusatztarif für Krankentagegeld, wie ab 01.01.2009 vorgeschrieben, bei einer gesetzlichen KV abgeschlossen. Nun erlitt ich am 23.07.2009 einen Fahrradunfall (Handgelenkbruch) Die Krankenversicherung teilt mir nun mit, das dieser Tarif, obwohl nie gekündigt wurde und die Beiträge bezahlt sind nicht mehr gültig ist. Durch Gesetzteänderung aufgehoben und da zum 31.07.2009 die Wartzeit von 15 Tagen noch nicht erfüllt war und von der Kasse ab 01.08.2009 nur Tarife mit 43 Tage Wartezeit angeboten werden bei mir eine Wartezeit von 43 Tagenm gilt. Ich finde so ein vorgehen nicht rechtmäßig.

Vielen Dank Frau Hengel fuer Ihre Vorabantwort.
Fuer detaillierte Fragen oder Kommentare zu diesem Thema koennen Sie mich auch unter duni4u@gmx.de erreichen.
Mir faellt dazu noch ein Punkt ein: Beitraege werden erstmal vorlaufig erhoben und dann erst endgueltig festgesetzt mit dem nachfolgenden Steuerbescheid. Diese Summe zaehlt letztendlich. Auch wenn man dann kein Gewinn erzielt hat, werden alle anderen Zahlen zugrundegelegt. Egal welcher Art Einkunft diese sind.
Mit freundlichen Gruessen

D. Schmitz

hallo omulatz,

Auskunft von Frau Yacobi: Ein Wechsel in den Normalbeitrag bzw. Abschluss eines neuen Wahltarifs ist auch später möglich. Dann kommt zwar ggf. die Karenzzeit hinzu - die hätten Sie aber ohnehin, da Sie ja momentan keinen Anspruch auf Krankengeld haben.

beste Grüße

Simon Hengel
Redaktion akademie.de

Ich bin selbstständig tätig, habe aber noch kein nennenswertes Einkommen, zur Zeit zahle ich den ermäßigten Tarif für Selbstständige ohne Krankengeldanspruch. Kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft (+ ggf. Karenzzeit) in den allgemeinen Tarif wechseln (14,9% mit Krankengeldanspruch) wenn mein Einkommen wächst? Oder müsste ich jetzt einen Tarif bis spätestens 30. September 2009 abschließen, obwohl das für mich keinen Nutzen hat?

An D. Schmitz und anonym (20.07.2009)

leider können wir keine detaillierten Ratschläge zu Einzelfällen geben - schon deshalb, weil auf diesem Wege keine Nachfragen möglich sind, ohne die sich solche Fälle aber nicht wirklich vernünftig beantworten lassen.

Nichtsdestoweniger werden wir uns natürlich um eine Antwort auf die allgemeine Thematik - Krankengeldanspruch bei Gründungszuschuss, Krankengeldanspruch bei Anspruch auf Altersrente - bemühen. Da die Autorin des Beitrags zur Zeit aber im wohlverdienten Urlaub ist, muss ich Sie um etwas Geduld bitten!

beste Grüße
Simon Hengel
Redaktion akademie.de

Ich hatte bisher Gruendungszuschuss erhalten und aus meiner selbstaendigen Taetigkeit keine Gewinne erzielt. Gleichzeitig war ich in Hoehe des Gruendungszuschusses auch freiwillig Krankenversichert mit Wahltarif Krankengeld ab dem 15. Tag.
Wegen Schwangerschaft im hohen Alter bin ich bis zum Mutterschutz krankgeschrieben, weshalb ich auch meine Taetigkeit und demnach auch weitere Gewinnmoeglichkeiten eingestellt habe.Meine Krankenkasse weigert sich mir Krankengeld auszubezahlen, da ich keinen Gewinn in den paar Monaten meiner Taetigkeit nachweisen kann bis zum Eintreten meiner Krankheit. Jedoch muss ich Beitraege aus jeder Form von Einnahmen abgeben. Doch angeblich wird nicht jede Form von Einnahmen fuer das Krankengeld beruecksichtigt. Genauso soll sich auch das Mutterschaftsgeld im Anschluss an den vorherigen Arbeitslosengeldbetrag orientieren. Jedoch befuerchte ich, dass ich bis dahin weder eine Einkommensersatzleistung erhalte und dann auch kein Mutterschaftsgeld mehr, da ich vorher keine Einnahmen hatte, auch wenn ich weiterhin gezwungen bin die gewohnten Beitraege zu entrichten? Kann mir jemand dazu mal richtig Auskunft geben? Meiner Meinung nach ist der Gruendungszuschuss eine vollwertige Basis fuer Krankengeld. Manche haben jahrelang keinen Gewinn aber bezahlen zumindestens Grundbeitraege. Wie sieht es denn bei denen aus?
Vielen Dank im Vorraus!

D. Schmitz

Ich beziehe zur Zeit Krankengeld ( seit 1.1.2009 nach dem alten Wahltarif) und werde voraussichtlich noch weiter bis zum Ablauf der 78 Wochen krank sein und Krankengeld beziehen.Dies wird dann der 31. Juli 2010 sein.
Am 01.03.2010 werde ich 65 Jahre und habe ab diesem Tag Anspruch auf Regelaltersrente.
Meine Frage: Wenn ich keinen Antrag auf Altersrente stelle muß die gestzliche Krankenkasse mir bis zur "Aussteuerung" also bis zum 31.Juli 2010 Krankengeld zahlen,oder endet mein Anspruch automatisch mit Beginn des 65. Lebensjahres (01.03.2010 ),kann die Krankenkasse mich zwingen einen Antrag auf Altersrente zu stellen?
Krankengeld ist natürlich wesentlich höher wie die Altersrente.

Besten Dank für Ihre Info die meine Frage beabntwortet hat.

Im Text steht:
"Wer am 30. Juli 2009 noch Krankengeld aus einem alten Wahltarif bezieht, bekommt es bis zum Ende des vereinbarten Zahlungszeitraums weiter ausbezahlt und muss danach innerhalb von acht Wochen einen neuen Wahltarif abschließen, um einen lückenlosen Schutz zu haben. Der neue Wahltarif gilt dann rückwirkend ab Ende der Krankengeldzahlung."
Beantwortet das Ihre Frage?

Mit freundlichen Grüßen
Brian E. Janßen
Redaktion akademie.de

Ich habe ab 1.1.2009 als Selbstständiger einen Wahltarif mit Krankengeldanspruch abgeschlossen.Seit dem 18.07.2008 bin ich durchgehend im Krankengeldbezug ( noch nach der alten Regelung als Selbstständiger )bis zum heutigen Tag.
Meine Frage: Muß ich jetzt wieder einen neuen Wahltarif abschließen,oder erhalte ich Krankengeld bis zum Ablauf der 78 Wochen??

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