"Mehrwertsteuer" oder "Umsatzsteuer"- was soll auf der Rechnung stehen?

Darf statt "Umsatzsteuer" auch die Bezeichnung "Mehrwertsteuer" verwendet werden?

Von: Robert Chromow
Stand: 1. April 2014 (aktualisiert)
4.785715
(14)
Beitrag bewerten
Kommentar schreiben

Downloads zu diesem Beitrag

Newsletter abonnieren

Darf auf ordnungsgemäßen Rechnungen statt des amtlichen Begriffs "Umsatzsteuer" auch die landläufige Bezeichnung "Mehrwertsteuer" verwendet werden? Oder gerät dadurch womöglich der Vorsteuerabzug beim Empfänger in Gefahr? Wir haben Gesetze, Ministerien, Behörden und Experten zurate gezogen.

Die Begriffe "Umsatzsteuer" und "Mehrwertsteuer" haben dieselbe Bedeutung. Das Gesetz kennt aber genau genommen nur die Umsatzsteuer. Der "Mehrwert" ist lediglich die Bemessungsgrundlage für die Höhe der abzuführenden Umsatzsteuer: Die an der Wertschöpfungskette beteiligten Unternehmer müssen immer nur die Differenz zwischen der von ihren Kunden vereinnahmten Umsatzsteuer und der selbst bezahlten Umsatzsteuer (das ist die "Vorsteuer") ans Finanzamt abführen. Besteuert wird letztlich also nur der im Betrieb erwirtschaftete Mehrwert.

Grundlagen des Umsatzsteuerrechts - einfach erklärt

Falls das ganze Thema Umsatzsteuer bislang ein Buch mit sieben Siegeln für Sie ist, lohnt ein Blick auf unser Infopaket "Steuer-Grundlagen lernen - Umsatzsteuer, Vorsteuer und Mehrwertsteuer".

Doch selbst wenn Sie längst souverän mit Umsatzsteuern, Mehrwertsteuern und Vorsteuern hantieren und Steuer-Voranmeldungen, Dauerfristverlängerungen sowie Jahreserklärungen seit Jahren unbehelligt abgeben, bleibt die Frage, wie diese Steuerart auf Rechnungen oder Gutschriften bezeichnet werden muss: Bestehen die immer pingeligeren Finanzämter auf dem im Gesetz verwendeten Begriff "Umsatzsteuer"? Lassen sie auch die landläufige Bezeichnung "Mehrwertsteuer" durchgehen - oder gerät dadurch womöglich der Vorsteuerabzug beim Empfänger in Gefahr?

Hintergrund

Der Gesetzgeber hat die Formvorschriften für Rechnungen in den letzten Jahren immer weiter verschärft. Anfangs haben die Finanzämter bei fehlenden oder unvollständigen Angaben zwar noch ein Auge zugedrückt. Mittlerweile ist bei Betriebsprüfungen und Umsatzsteuer-Sonderprüfungen jedoch "Schluss mit lustig": So haben die Finanzbehörden nicht nur die verbliebenen Unklarheiten über die separate Angabe eines Lieferdatums ausgeräumt, sondern auch unterstrichen, dass bei nicht-gesetzeskonformen Rechnungen konsequent der Vorsteuerabzug gestrichen wird.

Checklisten und Musterbriefe

Unter der Überschrift "Checkliste: Rechnungen auf vollständige Angaben kontrollieren" haben wir vor einiger Zeit eine Reihe praktischer Hilfsmittel für den betrieblichen Alltag veröffentlicht. Mit deren Hilfe ...

  • erstellen Sie formvollendete Ausgangsrechnungen,

  • prüfen Eingangsrechnungen auf vollständige Angaben und

  • sorgen - falls erforderlich - freundlich, aber bestimmt für Nachbesserungen durch Lieferanten und Dienstleister.

O-Ton Gesetz

Zurück zur Ausgangsfrage: Ist eine Rechnung zulässig, auf der von "Mehrwertsteuer" statt von "Umsatzsteuer" die Rede ist? Da sich die Pflicht zur Angabe ...

  • des "nach Steuersätzen und einzelnen Steuerbefreiungen aufgeschlüsselte(n) Entgelt(s)" sowie

  • des "anzuwendenden Steuersatz(es)"

... in § 14 Umsatzsteuergesetz findet, lautet die korrekte Bezeichnung in Deutschland ohne jeden Zeifel Umsatzsteuer.

Unsere Anfragen bei Steuerberatern, Finanzämtern, Oberfinanzdirektionen und beim Bundesfinanzministerium haben jedoch ergeben, dass eine Aberkennung des Vorsteuerabzugs allein aufgrund der Verwendung des Begriffs "Mehrwertsteuer" nicht zu befürchten ist. Sie können also beruhigt davon ausgehen, dass der landläufige Ausdruck Mehrwertsteuer auch in Zukunft von den Finanzbehörden geduldet wird.

Konsequenzen

Am besten gehen Sie mit dieser Zweifelsfrage folgendermaßen um:

  • Auf Ihren Ausgangsrechnungen verwenden Sie möglichst die korrekte Bezeichnung "Umsatzsteuer". Damit sind Sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite und geben sich als Profi zu erkennen.

  • Rechnungen aus der Vergangenheit brauchen Sie nicht zu korrigieren. Falls ein penibler Kunde hartnäckig auf dem Wort "Umsatzsteuer" besteht, tun Sie ihm halt den Gefallen.

  • Falls auf Ihren Eingangsrechnungen von "Mehrwertsteuer" die Rede ist, brauchen Sie von Ihren Lieferanten und Dienstleistern ihrerseits jedoch keine Nachbesserungen zu verlangen.

Übrigens: In den meisten unserer europäischen Nachbarländern wird die Umsatzsteuer längst als Mehrwertsteuer bezeichnet, wie die Beispiele England, Frankreich, Italien und Spanien zeigen:

  • "Value added tax" (VAT),

  • "Taxe sur la valeur ajoutée" (TVA),

  • "Imposta sul valore aggiunto" (IVA) oder

  • "Impuesto al valor agregado" (IVA).

Fazit

Das deutsche Steuerrecht ist kompliziert genug. Ist auf einer ansonsten einwandfreien Rechnung von Mehrwertsteuer statt von der Umsatzsteuer die Rede, gerät dadurch die steuerliche Anerkennung nicht in Gefahr. Sie brauchen im Zweifelsfall also nicht päpstlicher als der Finanzamts-Papst zu sein.

Beitrag bewerten

Ihre Wertung:

 

Umsatzsteuer - Mehrwertsteuer - Vorsteuer

Etwas langatmig -
aber deutlich.
DAnke

Mehrwertsuter oder Umsatzsteuer als Angabe auf Rechnung

Vielen Dank für die sehr gute Ausführung.

Super Erklärung! Vielen Dank, endlich ist mal klar, dass Umsatzsteuer der korrektere Begriff ist.

Merci beaucoup!
Meilleures salutations
Robert Chromow

Korrekte französische Schreibweise für TVA (MwSt.):

"Taxe sur la valeur ajoutée".

das ist sehr gut erklärt, allerdings ist eines definitiv falsch:
das deutsche Steuerrecht ist nicht "kompliziert genug". Das deutsche Steuerrecht ist
auf absurde Weise verkompliziert und eine unnütze Last für alle. Die einzigen die
davon profitieren sind diejenigen die das Geld einnehmen. Die Steuerlast und Ihre
Verteilung ist dadurch so gut verschleiert dass inzwischen jede Lüge unserer Finanzpolitiker
unwidersprochen durchgeht.

Dieser Kommentar.

Dieser Kommentar meines Vorredners hat unteres Biertischniveau und ist deshalb unnötig. Das deutsche Steuerrecht ist kompliziert, keine Frage. Aber es ist Ausfluss des ausgeprägten Strebens nach Gerechtigkeit und Genauigkeit der deutschen Gesellschaft. Dabei wird ständig versucht, Schieflagen und vermeintliche soziale Härten auszugleichen. Somit werden zum einen Sonderregelungen, Freibeträge, Freigrenzen, Befreiungsregelungen und vieles mehr in die Steuergesetzgebung aufgenommen, zum anderen werden Anforderungen zur Kontrolle des gleichmäßig gerechten Ablaufs bei den Erhebungen verschärft. Sogar politideologisch geprägte Subventionsregulierungen finden Aufnahme (z.B. Umwelt!), die in einer Abgabenerhebungsrechtsnorm überhaupt nichts verloren haben. Das ist der Grund für ein kompliziertes Steuergesetz. In anderen Ländern findet man diesen Hintergrund bei der Gestaltung von Rechtsnormen gar nicht. Zu Bedenken gilt, dass ein "einfacheres" Gesetz regelmäßig zu mehr Ungerechtigkeit führen kann. Ein kleines Beispiel, das wohl jedem einleuchtet und sogar immer wieder mal genannt wird: Der berühmte "Zehent": Eine Abgabe, die sich nur an den Einnahme, nicht an den Ausgaben bemisst. Super einfach, aber selbstredend schreiend ungerecht. Passt nämlich für den, dessen Ausgaben relativ gering sind. Der, der hohe Ausgaben dafür hat, ist bald ruiniert. Mit der Einfachheit eines Gesetzes ist es halt nicht getan. Mit "Lügen von Finanzpolitikern", einer "unnützen Last" - wie sollen sich denn die Aufgaben und Pflichten(!)eines Gemeinwesens denn wohl finanzieren - oder sonstigem Unfug, der hier in obigem "Kommentar" behauptet wird, hat das nichts zu tun. Sowas sollte man nicht von sich geben.

Bestätigung des Kommentators

Leider hat der Kommentator "Gast" meines Erachtens im Wesentlichen Recht: Es scheint in unserer Gesellschaft notwendig zu sein möglichst vielen Einzelinteressen gerecht zu werden - ansonsten wird man als Politiker von uns nicht gewählt. Dies drückt jedenfalls meiner Meinung nach unsere Steuergesetzgebung aus. Dass in Folge dann die Mehrzahl der Steuerpflichtigen die Rechtslage nicht mehr "durchschaut", wird ihnen dann bei der Rechtsanwendung bewusst und sie versuchen in Folge das Problem als solches in der (Gesetzes-)Komplexität zu sehen - siehe Kommentar "Das deutsche Steuerrecht ist auf absurde Weise verkompliziert und eine unnütze Last für alle." So populär ein solcher Satz auch sein mag: er ist meines erachtens völlig falsch. Aller spätestens dann wenn nach Alternativen gefragt wird, folgt oft großes Schweigen - insbesondere dann wenn steuerlich entlastende Punkte für den Befragten entfallen müssten! - So weit mir bekannt ist, haben viele europäische Staaten eher einfacher zu handhabende Regelungen als wir, d. h. es gibt z. B. einfach keine "Sonderausgaben" und "außergewöhnliche Belastungen" in der Einkommenssteuer. Das macht vieles einfacher! - Aber fragen Sie mal die davon Betroffenen. Wir hätten es natürlich alle gern, dass alles sehr gerecht und völlig einfach ist. - Das ist aber - zumindest bei genauerem Hinsehen - leider nicht möglich - siehe auch Vorkommentator. Die "eierlegende Wollmilchsau" ist auch mir noch nicht über den Weg gelaufen!

Dieser Kommentar ist nötig

Dieser Kommentar des den vorherigen Kommentar kommentierenden neunmalklugen Besserwissers hat Oberlehrerzimmerniveau und ist deshalb nötig.
Er zeigt auf wunderschöne Weise auf, wie solche Foren missbraucht werden, um andere Leute aufgrund mangelhaftem, eigenem Selbstwertgefühl niederzumachen und deren Meinungen zu entwerten, nur um sich selbst auf Kosten anderer aus dem Gefühl der Minderwertigkeit zu erheben.

Oh, Oooh - wo bleibt hier die Produktivität, der Nutzen?

Oh. ooh -
viel Zeit verloren,
aber nichts dazu gelernt.

Antwort: Produktivität und Nutzen

Guten Tag,
und vielen Dank für Ihr Feedback: Schade, dass Ihnen der Artikel keinen Erkenntnisgewinn gebracht hat. Nützlich sind die Informationen tatsächlich nur für Gründer und (Jung-)Unternehmer, die sich die eingangs genannten Fragen stellen:
------------ Zitat ----------------
Darf auf ordnungsgemäßen Rechnungen statt des amtlichen Begriffs "Umsatzsteuer" auch die landläufige Bezeichnung "Mehrwertsteuer" verwendet werden? Oder gerät dadurch womöglich der Vorsteuerabzug beim Empfänger in Gefahr?
----------Zitat-Ende --------------
Sie waren also gewarnt. :-) Es tut mir leid, dass Sie weitergelesen, viel Zeit verloren und nichts gelernt haben. Nach welchen Antworten haben Sie denn gesucht?

Danke, dass Sie sich Zeit für für eine Rückmeldung genommen haben.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen
  • Sie bekommen erhebliche Rabatte auf unsere von Experten geleitete Online-Workshops