Mut zum Misserfolg

Mehr Mut zum Scheitern: vom gelassenen Umgang mit Misserfolgen

Von: Robert Chromow
Stand: 11. Mai 2010 (aktualisiert)
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Erfolgsratgeber füllen ganze Regale, wohlfeile Geschäftstipps für garantiertes Wachstum und große Gewinne gibt es wie Sand am Meer. Bei Misserfolgen und erst recht im Scheitern fühlen sich Selbstständige und Unternehmer jedoch allein gelassen und obendrein von Häme bedroht. Gerade in Krisenzeiten verzichten viele Gründungswillige daher lieber gleich darauf, ihre Träume zu verwirklichen. Wir setzen der "German Business Angst" die konstruktive Kraft der Krise entgegen.

"Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen." Mit diesen Worten kommentierte Leo Kirch einst den Niedergang seines Medienreiches und die damit verbundenen Milliardenverluste. Ob seine demütige Haltung tatsächlich tiefem Gottvertrauen entsprang oder bloß kokette Pose war, sei dahingestellt. In jedem Fall enthält die Einstellung eine wichtige Voraussetzung für die konstruktive Bewältigung von Misserfolgen im Geschäftsleben: Rückschläge, Krisen und Pleiten müssen nicht zwangsläufig auf persönliches Versagen zurückgeführt und als Erniedrigung oder gar Vernichtung verstanden werden.

Bei Licht betrachtet handelt es sich um Momentaufnahmen: In jeder noch so schwierigen Situation stecken Entwicklungs-Potenziale - und zwar sowohl betriebliche als auch persönliche. Wer es schafft, sich zu dieser Erkenntnis durchzuringen, kann schwierige Phasen leichter bewältigen. Und einen neuen Anlauf nehmen - wie der (ja keineswegs verarmte) Kirch, der mit über 80 Jahren mittlerweile ein Comeback als Medienunternehmer gefeiert hat.

German Business-"Angst"

Die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise zeigt unwiderlegbar: Die Ursachen für geschäftliche Misserfolge liegen in vielen Fällen außerhalb des individuellen Verantwortungsbereichs. Und selbst wenn eine Pleite selbst verschuldet ist, ist sie weder strafbar noch Ausdruck persönlicher Minderwertigkeit. Genau diese Haltung ist aber weit verbreitet: Eine weltweite Untersuchung zum Thema Unternehmensgründungen ergab vor ein paar Jahren, dass in Deutschland mehr als die Hälfte der Befragten durch die Angst zu Scheitern davon abgehalten werden, ein Unternehmen zu gründen. In den USA sagten das demgegenüber nur gut 20 Prozent von sich! Immerhin: Glaubt man dem jüngsten Global Entrepreneurship Monitor (GEM) ist die "fear of failure" hierzulande auf ein mittleres Maß gesunken (2009: 37 % der Befragten).

Verschäft wird die individuelle Versagensangst durch die (vermutete) Reaktion seiner Umgebung: Wer sich die Selbstständigkeit trotz aller Unkenrufe zutraut und damit auf die Nase fällt oder zu fallen droht, kann sich der Häme vieler Mitmenschen sicher sein: "Hab' ich's nicht gesagt!?" In akuten Krisensituationen droht deshalb die Angstfalle: Wenn Markt- und Konjunkturentwicklung nach unten deuten und die persönliche oder betriebliche Leistungsfähigkeit nachlässt, setzt das rationale Denken aus und dafür Verdrängungs- oder Panikreaktionen ein.

Selbstmord aus Angst vor dem Tod?

Zugegeben: Die Neigung, eine betriebliche Krise "unter dem Deckel" zu halten, hat einen sehr realen Kern: Kreditinstitute, Auftraggeber und Lieferanten, aber auch Mitarbeiter reagieren sehr empfindlich auf Misserfolgs-Anzeichen. Inzwischen zittern ja sogar ganze Staaten und Kontinente vor den Reaktionen der Finanzmärkte! Trotzdem und gerade deshalb: Wenn es wirklich eng zu werden droht, dürfen Selbstständige und Unternehmer die Augen vor den Problemen nicht verschließen.

Beschönigungen entwickeln sich zwar leicht zur Selbsttäuschung - wenn Gerüchte aber erst einmal die Alarmglocken bei Geschäftspartnern zum Schrillen gebracht haben, ist es für die Rettung auch von eigentlich gesunden Betrieben oft zu spät. Demgegenüber zeigt sich echter Unternehmergeist darin, Problemen ohne Schönfärberei zu begegnen. Bei Licht betrachtet bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sich auf die "furchtbar fruchtbare Kraft der Krise" einzulassen.

Augen auf und durch!

Der "Turnaround", die rettende Wende, findet zu allererst im Kopf des Kapitäns statt: Indikatoren wie Liquiditäts-Engpässe, Auftrags- und Umsatzrückgang, Gewinneinbußen oder steigende Verluste müssen Anlass für eine schonungslose Bestandsaufnahme sein: Unternehmertum statt Unterlassertum ist gefragt. Besonders wichtig:

  • Wie sieht der Zu- und Abfluss finanzieller Mittel kurz- und mittelfristig aus?

  • Wann drohen konkrete Engpässe? Wie lässt sich die Zahlungsunfähigkeit vermeiden?

  • Wie können "Stillhalte-Abkommen" mit Banken und Gläubigern erreicht werden?

  • Wo lassen sich kurfristig und wirksam Kosten senken?

  • Wie kann die Zahlungsmoral der eigenen Kunden kurzfristig und dauerhaft verbessert werden?

  • Wird das vorhandene Potenzial an Produkten und Dienstleistungen wirklich ausgeschöpft? Werden die bestehenden Geschäftskontakte konsequent genutzt?

  • Wie lassen sich die eigenen Angebote an veränderte Märkte anpassen?

  • Welche Anforderungen stellt das Insolvenzrecht an Unternehmer? Welche Unterstützung kann der Betrieb bei Zahlungsunfähigkeit erwarten?

Worauf Sie dabei im Einzelnen achten müssen, erfahren Sie im Beitrag "Drohende Zahlungsunfähigkeit? Handeln statt hadern!" Unternehmensberater Joachim Brüser stellt Ihnen in seinem "Erste-Hilfe-Koffer Unternehmenskrise" sogar einen kompletten Notfallplan zur Vermeidung und Behebung einer Unternehmenskrise zur Verfügung.

Wer nicht fragt, bleibt dumm.

Erste Hilfe bei "Unwissenheit, Angst und Zeitdruck" bieten darüber hinaus zwei Informationsschriften des Bundeswirtschaftsministeriums:

Individuellere und konkretere "Pannenhilfe" für Unternehmer versprechen die regionalen "Runden Tische" von der KfW Mittelstandsbank, Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammern. Aber auch zahlreiche andere kostenlose Beratungs- und Selbsthilfe-Plattformen sowie professionelle Krisenmanager stehen bereit.

Denn was für Unternehmensgründungen gilt, trifft in schlechten Zeiten erst recht zu: Die wenigsten Menschen sind als Krisenmanager oder Sanierer zur Welt gekommen. Das erforderliche Wissen kann man aber erwerben.

Beratungszuschüsse in Anspruch nehmen

Entgegen anderslautenden Vermutungen werden nicht nur professionelle Gründungsberatungen staatlich gefördert: So bezuschusst zum Beispiel das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) allgemeine Unternehmensberatungen mit bis zu 1.500 Euro. Bei der Antragstellung lassen Sie sich am besten von einem Berater Ihrer Wahl unterstützen.

Hiobs Botschaft für Stehaufmännchen

Keine Frage: Unternehmenskrisen oder gar Pleiten stellen für viele Menschen eine sehr ernste, gelegentlich existenzielle Bedrohung dar. Insofern sind die Sorgen verantwortungsbewusster Unternehmer um die Zukunft ihrer Familien und die ihrer Mitarbeiter nur zu verständlich. Vor diesem Hintergrund hat das Motto des legendären Existenzgründers Henry Ford ("Scheitern ist die einzige Gelegenheit, es noch einmal zu versuchen - und zwar intelligenter.") denn auch einen leicht zynischen Unterton.

Und doch bergen Krisen tatsächlich Chancen. Zunächst einmal natürlich betriebswirtschaftliche: So manche Flaute hat sich im Nachhinein als heilsamer Schuss vor den Bug entpuppt. So sorgt oft erst ein unerwarteter Liquiditätsengpass oder eine plötzliche Auftragsflaute dafür, dass die Kosten durchleuchtet, die Finanzierung auf ein solideres Fundament gestellt oder Produkte an veränderte Märkte angepasst werden.

Der Misserfolg, mag er nun durch weltweise Wirtschaftskrisen, geschäftliches Pech, persönliche Fehler oder Unvermögen verursacht worden sein, bietet aber auch die Gelegenheit der persönlichen Weiterentwicklung. Und zwar nicht nur, weil jede überstandene Krise abhärtet und auf künftige geschäftliche Herausforderungen vorbereitet. Sondern auch deshalb, weil durch Krisen gebeutelte Selbstständige mitunter von Überheblichkeit oder gar Größenwahn zum "menschlichen Maß" zurückfinden und dabei oft toleranter und mitfühlender werden. Diese positive Entwicklung stößt im privaten Umfeld auf entsprechende Resonanz - die dann tiefere Spuren hinterlässt als die vielfach völlig zu Unrecht befürchtete Schadenfreude.

Hiob, der schwer geprüfte biblische Urheber von Leo Kirchs eingangs erwähntem Lebensmotto, kannte sie, die schmerzhaft positive "Kraft der Krise". Er beließ es nicht nur bei Schicksals- und Gottergebenheit, sondern bedankte sich ausdrücklich für die auferlegten Prüfungen: "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen. Der Name des Herrn sei gelobt!"

Falls Ihnen das dann doch zu biblisch oder abgehoben ist, sagt Ihnen möglicherweise das sehr persönliche "Tagebuch einer Pleite" mehr zu, das die einstige Vorzeige-Unternehmerin Anne Koark unter dem Titel "Insolvent und trotzdem erfolgreich" veröffentlicht hat. Mit "BIG - Bleib im Geschäft" hat die Stehauffrau mittlerweile sogar eine Selbsthilfeorganisation für Unternehmer in wirtschaftlichen Notlagen gegründet und mit "Zurück auf Start" ihr neues Leben nach der Insolvenz beschrieben.

Zum Weiterlesen:

Mut zum Erfolg ist hilfreich fürs Geschäft, findet Ulrike Bergmann-Albrecht: Mehr Mut zum Erfolg!

Diesen und noch weitere Beiträge finden Sie auf unserer Themenseite Überlebenstipps für Selbstständige.

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Vielen Dank für Ihre Rückmeldung: Schade, dass der Artikel Ihre Erwartungen nicht erfüllt hat. Sie haben völlig Recht, dass zahlreiche praktische Aspekte geschäftlicher Misserfolge in diesem Beitrag nicht behandelt werden. Wenn Sie den weiterführenden Links im Text weiter oben folgen, werden Sie solche Informationen aber finden. Noch mehr Unterstützung bieten die "Kurse & Ratgeber" unserer Rubriken
"Recht und Finanzen"
http://www.akademie.de/direkt?pid=11598 sowie
"Überschuldung und Verbraucherinsolvenz"
http://www.akademie.de/direkt?pid=27962
Freundliche Grüße und alles Gute
Robert Chromow

Wie heißt es so schön: Erfahrung ist die Summe der gemachten Fehler. Doch leider scheint der Autor dieses Artikels auf dem Gebiet des erfolgreichen Scheiterns völlig unerfahren zu sein. Kein einziges Wort über die aufgezwungene Drittschuldnererklärung von Unternehmen, Warndateien der IHK oder völlig überteuerte Privat- und Geschäftskonten auf Guthabenbasis. Sicher, wenn er alles ausblendet was einem das ohnehin schwierige Leben so richtig schön versüßt, hat er leicht reden. Und auch der olle Leo kann sich einen grinsen, weil er definitv nicht mit seinem Privatvermögen haftet, nicht im öffentlichen Schuldnerverzeichnis der Amtsgerichte eingetragen ist, in keiner Bonitätsauskunft der SCHUFA, Creditreform, oder Bürgel auftaucht und seine Kreditwürdigkeit zu keiner Zeit eingebüßt hat.

Abgesehen davon dauert ein Insolvenzverfahren insgesamt 10 Jahre, da negative SCHUFA-Einträge noch mindestens 3 Jahre NACH der Restschuldbefreiung bei jeder Bonitätsauskunft auftauchen. 10 Jahre. Der Schuldner erhält während dieser Zeit kein kostengünstiges Girokonto, keine Kredite, unter Umständen sogar keine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Ein InsO-Verfahren ist demnach nichts anderes als offener Strafvollzug. Allerdings stellt sich die Frage: Wofür? Weil man sich verschuldet hat? Na, dann springen Sie doch mal kurz auf die Website des BdSt und sehen zu, wie die Schuldenuhr tickt. Betrachten Sie deshalb den Staat als kriminelle Vereinigung?

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