Praktikanten: Das sollten Arbeitgeber wissen

Infos zur Sozialversicherungspflicht, zum Mindestlohn und anderen Formalitäten

Stand: 2. Januar 2018

Welche Praktikanten haben Anspruch auf Mindestlohn? Und was gilt bei der Sozialversicherung? Wenn Sie Praktika in Ihrem Unternehmen ermöglichen, sollten Sie das wissen. Sonst drohen Nachforderungen. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wichtige Aspekte für die Einordnung

Für die sozialversicherungsrechtliche Einordnung ist eine ganze Reihe von Aspekten relevant. Entscheidend sind vor allem die drei folgenden Punkte:

  • Ist das Praktikum freiwillig oder wird es durch eine Ausbildungs-, Berufs- oder Studienordnung vorgeschrieben?

  • Findet das Praktikum während des Studiums statt (sogenanntes Zwischenpraktikum) oder wird es vorher beziehungsweise danach absolviert (Vorpraktikum oder Nachpraktikum)?

  • Wird das Praktikum bezahlt oder nicht?

Vorgeschriebenes Zwischenpraktikum

Wenn während der Ausbildung oder des Studiums ein Praktikum abgeleistet wird, das Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss ist, sind Beiträge weder zur Kranken- und Pflegeversicherung noch zur Arbeitslosenversicherung oder zur Rentenversicherung fällig. Das gilt unabhängig davon, ob eine Praktikumsvergütung bezahlt wird.

Diese Regel gilt auch, wenn der Praktikant an einer ausländischen Universität studiert, das Praktikum also durch eine ausländische Prüfungs- oder Studienordnung vorgeschrieben wird.

Freiwilliges Zwischenpraktikum

Wird während des Studiums oder der Ausbildung ein freiwilliges Praktikum ausgeübt, dann ändert sich die Lage. Dann gelten Regeln wie für Werkstudenten, falls eine Praktikumsvergütung bezahlt wird: Es besteht zwar Rentenversicherungspflicht, aber die Pflege- und Krankenversicherung sowie die Arbeitslosenversicherung entfallen. Im Prinzip darf bis auf wenige Ausnahmen das Praktikum während des Semesters nicht mehr als 20 Wochenstunden umfassen. Sonst entsteht ein normales, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

  • Allerdings kann auch ein solches Praktikum beitragsfrei bleiben:
    Wenn es die Kriterien einer kurzfristigen Beschäftigung erfüllt, entfällt die Sozialversicherungspflicht ganz. (Eigentlich geringfügige kurzfristige Beschäftigung, nicht zu verwechseln mit der geringfügig entlohnten Beschäftigung, die auch Minijob genannt wird.) Die Lohnsteuer kann bei kurzfristiger Beschäftigung als Pauschale von 25 % berechnet werden. In diesem Fall darf aber das Praktikum nicht mehr als drei Monate oder 70 Kalendertage im Jahr dauern. Das gilt betriebsübergreifend.

  • Schließlich kann das freiwillige, bezahlte Praktikum auch als Minijob eingeordnet werden, wenn höchsten 450 Euro pro Monat bezahlt werden. Da der freiwillige Praktikant Student ist, muss der Arbeitgeber jedoch keine Rentenversicherungsbeiträge abführen, falls der Student sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt. (Das können Minijobber bekanntlich tun, und zwar durch formlose, schriftliche Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber.) In diesem Fall fällt nur die Arbeitgeberpauschale zur Krankenversicherung an.

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