öffentlich
Redaktion Druckversion

Mini-One-Stop-Shop: Ausländische Umsatzsteuer bei elektronischen Dienstleistungen an Privatkunden im EU-Ausland

Wer digitale Dienstleistungen erbringt und Privatkunden im EU-Ausland hat, muss sich auf einen neuen Umsatzsteuer-Stolperstein einstellen

Mit dem Mini-One-Stop-Shop hat die EU sich mal wieder ein neues Umsatzsteuer-Folterinstrument ausgedacht: Wer elektronische Dienstleistungen an Privatkunden in anderen EU-Ländern erbringt, muss die damit erzielten Umsätze ab 2015 einer neuen Meldestelle beim Bundeszentralamt für Steuern mitteilen. Wir erläutern, was es mit den „Mini-One-Stop-Shops“ auf sich hat und wer davon betroffen ist.

Nur bei digitalen Dienstleistungen an ausländische Privatkunden

Die gute Nachricht vorweg: Nur dann, wenn Sie

  1. Telekommunikations-, Rundfunk- und Fernsehdienstleistungen sowie sonstige Dienstleistungen (z. B. E-Books, Musik, Software oder Online-Spiele)

  2. auf elektronischem Weg (z. B. per Download oder Stream)

  3. an Verbraucher (= Privatkunden!)

  4. in anderen EU-Ländern

erbringen, müssen Sie sich mit „Mini-One-Stop-Shop“ befassen. Ansonsten können Sie das Thema links liegenlassen. Das gilt zum Glück für die allermeisten Selbstständigen und kleineren Unternehmen.

Falls aber doch, kommen neue Steuer-Stolpersteine auf Sie zu. Denn bei den genannten Geschäften gilt ab Januar 2015 der Wohnsitz des Kunden als „Ort der Leistungserbringung“. Klingt harmlos, hat aber weitreichende Folgen: Künftig müssen Sie in solchen Fällen den Umsatzsteuersatz des Bestimmungslandes in Rechnung stellen.

Bevor Sie Waren und Dienstleistungen im Ausland anbieten, sollten Sie sich unbedingt an einen Steuerberater wenden. Das betrifft auch und gerade Kleinstbetriebe. Die Kleinunternehmer-Regelung gilt grundsätzlich nur fürs Inland, da sich die entsprechenden nationalen Vorschriften anderer EU-Staaten unterscheiden.

Ganz gleich, ob Klein- oder Großunternehmer: Falls Sie für Privatleute in anderen EU-Ländern elektronische Leistungen erbringen und bislang noch keinen Steuerberater haben, sollten Sie sich einen suchen - am besten möglichst bald. Allgemeine Fragen zu den steuerlichen Auswirkungen Ihrer grenzüberschreitenden Aktivitäten beantwortet grundsätzlich auch die Außenhandelsabteilung der für Sie zuständigen IHK zuständig. Außerdem können Sie direkt beim Finanzamt nachfragen - ob man Ihnen dort in Sachen „Mini-One-Stop-Shop“ allerdings schon weiterhelfen kann, ist eher unwahrscheinlich.

Beispiel: Spanne der EU-Umsatzsteuer bei E-Books

Wer privaten Endkunden in anderen EU-Ländern zum Beispiel E-Books verkauft, muss unter Umständen seine Preise neu kalkulieren. Schließlich unterscheiden sich die Steuersätze in den einzelnen Ländern gravierend: Während sich der luxemburgische Finanzminister bei E-Books mit 3 % Umsatzsteuer begnügt, verlangt sein ungarischer Kollege happige 27% Umsatzsteuer:

unterschiedlichen Umsatzsteuersätze der EU-Staaten auf E-BooksBild vergrößernDie unterschiedlichen Umsatzsteuersätze der EU-Staaten auf E-Books im Vergleich: Eine weite Spanne.

Inländische Meldestelle für die ausländische Umsatzsteuerpflicht: MOSS/keA

Ab 2015 muss die Umsatzsteuer in den eingangs genannten Fällen grundsätzlich an das Finanzamt des EU-Landes gemeldet und abgeführt werden, an dem der private Endkunde seinen Wohnsitz hat. Mit anderen Worten: Derartige Umsätze sind bei bis zu 28 verschiedenen EU-Finanzbehörden meldepflichtig!

Weil das vor allem kleine Unternehmen und Freiberufler heillos überfordern würde, haben sich die Brüsseler Finanzbürokraten eine eigenwillige Hilfskonstruktion ausgedacht: Jeder EU-Mitgliedsstaat richtet eine zentrale Meldestelle ein (= „Mini-One-Stop-Shop“, MOSS), bei der die Unternehmen des betreffenden Landes ihre grenzüberschreitenden elektronischen Dienstleistungs-Umsätze mit Privatkunden anmelden. Dorthin müssen anschließend auch die Umsatzsteuern überwiesen werden.

Der nationale MOSS (auch „kleine einzige Anlaufstelle“, keA, genannt) sorgt dann dafür, dass die Meldungen und Zahlungen an die Finanzbehörden der anderen EU-Länder weitergeleitet werden. Der deutsche MOSS wird vom Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) betrieben. Sowohl die Registrierung als auch die späteren Steuererklärungen erledigen Sie beim ElsterOnline-Portal. Die Authentifizierung erfolgt dabei per Elster-Signatur: Das ist die Steuer-Signatur, mit der Sie zum Beispiel auch Ihre Umsatzsteuervoranmeldung übermitteln.

Praxishinweise

  • Bei Geschäften mit Unternehmern in anderen EU-Ländern bleibt alles beim Alten: Sofern Ihre Geschäftskunden aus anderen EU-Ländern über eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer verfügen, dürfen Sie weiterhin umsatzsteuerfreie Rechnungen stellen.

  • Die Registrierung beim Mini-One-Stop-Shop ist freiwillig: Wenn Sie oder Ihr Steuerberater – beispielsweise in grenznahen Regionen – ohnehin mit den Finanzbehörden eines Nachbarlandes zusammenarbeiten, können Sie Ihre neuen Steuerpflichten dort auch direkt erfüllen.

  • Besteuerungszeitraum ist das Quartal. Die elektronischen Steuererklärungen sind bis zum 20. Tag nach Ablauf des Besteuerungszeitraums zu übermitteln. Erster MOSS-Melde- und Zahlungstermin ist also der 20. April 2015 (für das erste Quartal 2015). Die Termine für die folgenden Vierteljahre sind der 20. Juli und der 20. Oktober sowie der 20. Januar 2016.

  • Anders als bei den „Zusammenfassenden Meldungen“ (über grenzüberschreitende Lieferungen und Leistungen an ausländische Unternehmen) müssen Sie MOSS-Meldungen auch dann abgeben, wenn Sie im vorangegangenen Vierteljahr keine meldepflichtigen Umsätze gemacht haben (sogenannte „Nullmeldung“)! Falls Sie also (noch) keine grenzüberschreitenden elektronischen Leistungen an Privatpersonen erbringen, verzichten Sie vorläufig am besten auf die Registrierung. Wenn’s soweit ist, können Sie das dann immer noch nachholen.

Zum Weiterlesen:

Weiterführende Informationen zur neuen Sonderregelung:

  • Für welche Dienstleistungen die Sonderregelung genau gilt, entnehmen Sie den Abschnitten 3a.10, 11 und 12 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses.

  • Differenzierte Informationen zu den Mehrwertsteuer-Sätzen in den einzelnen Mitgliedsländern finden Sie auf der EU-Website (PDF, 361 KB).

  • Eine umfangreiche Fragen- und Antwortsammlung zum MOSS-Thema gibt es beim Bundeszentralamt für Steuern.

Allgemeine Praxisanleitungen zur Umsatzsteuer :

Beitrag bewerten

Ihre Wertung:

 

Wie sieht mit Lektorats-/Werbetext-Dienstleistungen aus?

Hallo Herr Chromow,
ich arbeite als Marketing-Texterin und Lektorin - selbstverständlich gehen die Texte meinen Kunden, die ab und zu auch B2C sind und in Österreich sitzen, auf elektronischem Weg zu (per Mail). Zählen Marketingtexte oder Lektorate auch zu den "elektronischen Dienstleistungen"? So ganz klar wird das nirgends.

Antwort: Wie sieht mit Lektorats-/Werbetext-Dienstleistungen aus

Guten Tag,
eine rechtliche oder steuerliche Einzelfallberatung ist an dieser Stelle nicht möglich - daher nur ganz allgemein:

Eine detaillierte Aufzählung der "auf elektronischem Weg erbrachte(n) sonstige(n) Leistungen", die unter die Neuregelung fallen, finden Sie im Abschnitt 3a.12 des aktuellen Umsatzsteuer-Anwendungserlasses:
https://www.bundesfinanzministerium.de/Web/DE/Themen/Steuern/Steuerarten...

Werbe- und Marketingtexte werden Sie im B2C-Geschäft vermutlich nicht erbringen. :-) Welche Leistungen genau Sie Privatleuten in anderen EU-Ländern anbieten, ging aus Ihrer Frage nicht hervor. Die "Bereitstellung von Texten und Informationen" fällt grundsätzlich unter die Neuregelung - allerdings gilt die nur für eine Leistung ...

------------ Zitat ----------------
... die über das Internet oder ein elektronisches Netz, einschließlich Netze zur Übermittlung
digitaler Inhalte, erbracht wird und deren Erbringung auf Grund der Merkmale der sonstigen Leistung in hohem
Maße auf Informationstechnologie angewiesen ist; d.h. die Leistung ist im Wesentlichen automatisiert, wird nur
mit minimaler menschlicher Beteiligung erbracht und wäre ohne Informationstechnologie nicht möglich
----------Zitat-Ende --------------

E-Books und andere elektronische Publikationen gehören explizit zu den damit gemeinten Leistungen. Lektoratsarbeiten und ähnliche individuelle Textaufträge hingegen, bei denen die Ergebnisse lediglich via Internet (z. B. per E-Mail) an den Auftraggeber übermittelt werden, gehören aus meiner Sicht nicht zur Kategorie der "im Wesentlichen automatisierten" Leistungen "mit minimaler menschlicher Beteiligung".

Am besten besprechen Sie die Details Ihres Einzelfalls mit einem Steuerberater oder Sie fragen direkt beim Finanzamt nach.

Alles Gute und freundliche Grüße
Robert Chromow

Herzlichen Dank für die

Herzlichen Dank für die ausführliche Antwort. Werbetext-Leistungen im B2C-Bereich erbringe ich insofern als manche meiner Kunden z.B. unter die österreichische Kleinunternehmerregelung fallen und keine Umsatzsteueridentnummer haben, auch ihre Vorsteuer in Österreich nicht geltend machen können (z.B. kleinere freiberufliche Fotografen, Ihre Tätigkeit nebenberuflich ausüben und für Ihre Website von mir Marketing-Texte erstellen lassen) Oder ein freiberuflich arbeitender Fitnesstrainer, der noch unter die Kleinunternehmerregelung fällt udn sich von mir einen Flyer texten lässt etc - das sind nur zwei mögliche Beispiele.

Die entscheidende Frage wäre, wie sich "B2C" definiert? Vielleicht habe ich hier die Definition auch falsch angesetzt: Ist ein Kunde nicht mehr B2C, wenn er in seiner Steuererklärung Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit angibt und ich Werbetexte für diese Einnahmequelle verfasst habe?

Antwort: B2C vs. B2B

N'Abend,
auch Kleinunternehmer gelten grundsätzlich als Unternehmer. Von B2C-Geschäften kann in den von Ihnen genannten Fällen aus meiner Sicht nicht die Rede sein. Abgesehen davon bekommen auch Kleinunternehmer unter bestimmten Umständen eine Umsatzsteueridentifikationsnummer. Die Rechtslage in Deutschland können Sie im Beitrag ...
"Eine USt-IdNr. auch für Kleinunternehmer"
http://www.akademie.de/wissen/ustidnr-auch-fuer-kleinunternehmer
... nachlesen.
Ob das in allen EU-Ländern so ist, weiß ich nicht. Aber wie gesagt: Die Details Ihres Einzelfalls besprechen Sie am besten mit einem Steuerberater oder Sie fragen direkt beim Finanzamt nach.

Freundliche Grüße
Robert Chromow

Mitglied werden, Vorteile nutzen!

  • Sie können alles lesen und herunterladen: Beiträge, PDF-Dateien und Zusatzdateien (Checklisten, Vorlagen, Musterbriefe, Excel-Rechner u.v.a.m.)
  • Unsere Autoren beantworten Ihre Fragen

Downloads zu diesem Beitrag

Newsletter abonnieren