Leitfaden für Gründerinnen

Frauen gründen anders - Selbstständigkeit bei Frauen

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Frauen gründen anders - Selbstständigkeit bei Frauen

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Frauen gründen zwar seltener als Männer, aber nicht weniger erfolgreich! Dass der Frauenanteil bei den Unternehmensgründungen nach wie vor erheblich unter dem der Männer liegt, hat vielfältige Gründe: Frauen verfügen meist über weniger finanzielle Mittel, werden von Banken kritischer beurteilt und sind durch ihre Aufgaben in der Familie stärker belastet. Viele Frauen scheuen auch das Risiko, das eine Gründung - immerhin ein Unterfangen mit ungewissem Ausgang - mit sich bringt.

Frauen gründen weniger und kleinere Unternehmen als Männer. Ihr Anteil an den Gründungen in Deutschland betrug 2010 nur 37 Prozent ((1)). Etwa 80 Prozent der Frauen gründen ihr Unternehmen ohne Partnerinnen oder Beschäftigte; ein Drittel von diesen Solo-Selbstständigen arbeitet zu Hause ((2)). Gastgewerbe, Handel und Dienstleistungen - insbesondere im Gesundheitswesen, im Bildungs- und Unterhaltungssektor - sind die bevorzugten Branchen. Laut einer aktuellen Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) starten hier rund 43 % aller Gründerinnen, während es bei den Gründern nur 20 % sind (3). In diesen Bereichen können viele persönliche und soziale Dienstleistungen alleine erbracht werden.

Frauen gründen risikobewusster; ihre Unternehmen sind seltener auf schnelles Wachstum ausgelegt. Eine weitere KfW-Erhebung ((4)) belegt sogar das Gegenteil: Frauen wollen ihr Unternehmen in kleinen Dimensionen halten, um flexibel zu bleiben und die Balance zwischen privatem und beruflichem Leben besser zu schaffen. Häufige Probleme selbstständiger Frauen sind die hohe Arbeitsbelastung, das schwankende Einkommen sowie steuerliche und juristische Formalitäten.

Frauen gründen zudem im Schnitt später als Männer - etwa zwei Drittel sind zwischen 35 und 54 Jahre alt Zum Vergleich: 40 Prozent der männlichen Gründer sind mit 35 Jahren bereits selbstständig ((5)). Die Existenzgründung fällt also oft in eine Lebensphase, in der die Kinder noch im Haushalt leben und sie große familiäre Verpflichtungen haben. Gerade Solo-Selbstständige versprechen sich von der Gründung größere Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und eine flexiblere eigene Lebensplanung. Dazu passt der hohe Anteil pragmatischer Gründungen: Frauen starten nicht in die Selbstständigkeit, weil sie eine bahnbrechende Geschäftsidee haben, sondern weil sie keine bessere Alternative sehen. Viele Frauen nutzen die Gründung als Wiedereinstieg nach einer längeren Familienpause oder als Weg aus der Arbeitslosigkeit. Dies erschwert jedoch häufig den Start, weil zeitgemäße Fachkenntnisse und Selbstbewusstsein fehlen.

Ebenfalls charakteristisch für Existenzgründerinnen ist die Teilzeitarbeit: Mehr Frauen machen sich im Nebenerwerb als im Vollerwerb selbständig. Bei den Nebenerwerbsgründungen liegt der Frauenanteil bei rund 44 Prozent, bei den Vollerwerbsgründungen sind es nur knapp 28 Prozent. Von den solo-selbstständigen Frauen arbeitet etwa die Hälfte in Teilzeit ((6)). Die Arbeitszeit der Frauen liegt zudem deutlich unter der von männlichen Unternehmern: Etwa ein Viertel arbeitet weniger als 20 Stunden pro Woche, nur etwas mehr als die Hälfte kommt auf mindestens 40 Wochenstunden Bei Männern arbeiten über 80 Prozent 40 Stunden und mehr ((7)). Da wundert es nicht, dass Frauenunternehmen auch weniger Umsatz machen.

Die Mehrzahl der Gründerinnen verfügt über geringes Eigenkapital. Das liegt auch daran, dass Frauen nach wie vor in schlecht bezahlten Berufen ohne Karrierechancen und in geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen überrepräsentiert sind. Die Finanzierung der Gründung packen Frauen anders an als Männer: Sie benötigen weniger Kapital, stellen seltener Kreditanträge und bevorzugen informelle Geldquellen wie Familie oder Freunde. Da ihre Vorhaben für Banken oft unattraktiv sind, nutzen Frauen seltener die von den Banken bewirtschafteten öffentlichen Förderwege. Als Verhandlungspartnerinnen haben Gründerinnen immer noch mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen: Bankenvertreter und Kunden zweifeln zuweilen an ihrer Risikobereitschaft, der Ernsthaftigkeit ihrer Absichten und dem Erfolg des geplanten Unternehmens.

Die gute Nachricht: Frauenunternehmen haben genauso gute Erfolgschancen wie Start-ups von Männern. Gründerinnen stehen sehr positiv zur eigenen Selbständigkeit, lernen gerne Neues dazu und sind entschlossen, auftretende Probleme zu lösen.

Quellenhinweise:
(1) KfW-Gründungsmonitor 2011
(2) KfW-Gründungsmonitor 2011; bundesweite gründerinnenagentur, Qualitative Bedeutung von Gründungen durch Frauen, Nr. 8/2007 (3) Gründerinnen - Frauen als eigene Chefs, Akzente Nr. 44, KfW-Research, Juli 2011
(4) Chefinnen im Mittelstand - Unternehmerische Tätigkeit von Frauen, Standpunkt Nr. 8, KfW-Research, Juni 2011
(5) bundesweite gründerinnenagentur, Quantitative Bedeutung von Gründungen durch Frauen, Nr. 7/2007
(6),(7) Mikrozensus 2009
(8) KfW-Mittelstandsmonitor 2010
(9) Gründerinnen - Frauen als eigenen Chefs, Akzente Nr. 44, KfW-Research, Juli 2011
(10) KfW-Gründungsmonitor 2010